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Durch die Augen einer Tänzerin

10 Feb

© Darian Volkova

Ballett ist eine Kunstform, die durch ihre Anmut und Eleganz so unsagbar fein und leicht wirkt, jedoch gleichzeitig ein unglaublich hartes Training benötigt. Dieser Gegensatz lässt sie magisch, ja nahezu unwirklich erscheinen. Einen Blick hinter die Kulissen gewährt uns die Fotografin und Tänzerin Darian Volkova.

Dank ihr können wir nicht nur einen Einblick in das Leben eines der bekanntesten Balletthäuser der Welt erhalten, sondern das klassische Ballett auch durch die Augen einer Tänzerin sehen.

Eine Tänzerin hält ihr Bein auf einer Stange am Fenster.

Ballettschuhe

Darian wurde in der russischen Stadt Chabarowsk nahe der chinesischen Grenze geboren, begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Tanzen und fand mit sieben Jahren dann zum klassischen Ballett. Heute arbeitet sie am klassischen Balletttheater in Sankt Petersburg, einem der wohl traditionsreichsten und bekanntesten Balletthäuser überhaupt.

Vor etwa einem Jahr begann sie, das tägliche Leben der Tänzer zu dokumentieren. Sie arbeitet dabei sowohl analog mit der zweiäugigen Spiegelreflexkamera Yashica Mat 124G, digital mit der Fujifilm X-E2 und manchmal einfach mit dem iPhone. Sie portraitiert die anderen Tänzer bei den Proben, zeigt aber auch ganz alltägliche Dinge und Situationen.

Eine Tänzerin fotografiert sich selbst vor einem Spiegel

Tänzerinnen hinter der Bühne von oben aufgenommen

Was ich an der Ballettfotografie schätze, sind der menschliche Körper und seine Fähigkeiten. Ich stelle das gern heraus, indem ich mit Licht und Schatten spiele. Ich versuche, den Moment festzuhalten, die Atmosphäre des Theaters zu vermitteln und die Arbeit der Künstler so zu zeigen, wie sie ist.

Ihre Bilder leben nicht nur von den unglaublich grazilen Bewegungen, den schönen Körpern und Kostümen. Darian hat einen sehr guten Blick für tolle Bildschnitte und ein großartiges fotografisches Talent.

Ein Mann tanzt unter einem Kronleuchter.Eine Tänzerin unter Schrägfenstern.

Dass Darian selbst auch tanzt, hilft ihr sehr, wenn sie ein bestimmtes Bild umsetzen möchte. Die Tänzer sehen in ihr keine Fremde und sind oft sogar befreundet, was die Arbeit miteinander viel einfacher macht.

Ich bin in der Lage, während der Interaktion mit meinem Modell meine eigene künstlerische Vision auszudrücken. Es ist sehr leicht für mich, den Tänzern zu erklären, wie das Endresultat aussehen soll, denn da ich selbst tanze, sprechen wir dieselbe Sprache.

Ein Tänzer auf einer Leiter

Ballettshow von oben auf die Bhne fotografiert.

Darian teilt ihre Bilder über Instagram. Besonders empfehle ich aber ihre Homepage „Soul in Feet“, auf der man ihre Fotos in großer Auflösung und ohne störende Elemente bewundern kann.


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Leica M9: kein Testbericht einer alten Lady

15 Dec

Ein Kopfstand auf einem Skateboard

Ein Beitrag von: Roman Tripler

Wie alles anfing: Als ich mich entschlossen hatte, das Knipsen sein zu lassen und fortan fotografieren zu wollen, ging ich, meinem damaligen Budget entsprechend und den Ratschlägen eines befreundeten Fotografen folgend, auf die Suche nach einer passenden Kamera.

Nach reiflichen Überlegungen und viel Gewühl in Zeitschriften wurde es eine Nikon D60 mit 18 – 55 mm Kit-Objektiv. Bis ich von völliger Ahnungslosigkeit zu einigermaßen vertretbaren Ergebnissen kam, verging einige Zeit und es waren nicht wenige Experimente und noch mehr Zeitschriften nötig.

Ich kannte irgendwann die Funktionen der Kamera, kaufte wie von Sinnen Objektive, Blitz, Funkauslöser und einiges mehr an „nützlichem“ Zeug. Irgendwann war dann die D60 keine befriedigend gute Kamera mehr und ich brauchte dringend eine neue.

Da halfen auch nicht die handwerklichen Fertigkeiten, die ich durch meinen Beruf als Bildbearbeiter einer Werbeagentur besaß. Es war mir zudem peinlich, bei einigermaßen guten Bildern mit einer solch kleinen Knipsbüx herumzurennen und ich brauchte dringend Megapixel, Schärfe usw. – das ganze Programm eben.

Eine Frau raucht

Unabhängig von meiner eigenen Fotografie habe ich seit meiner Jugend ein Interesse an Bildern anderer Fotografen gehabt. Ich habe diese sogar aus Zeitschriften ausgerissen und gesammelt, bis ein Umzug eine randvolle Kiste und einige Aktenordner voll verschwinden ließ.

Geblieben ist aber eine Erkenntnis, die ich durch diese Bilder hatte: Die meisten meiner favorisierten Fotografen nutzen eine kleine, eher unscheinbare Kamera, die sich Leica M nannte.

Nachdem mich nun viele weitere Testberichte zunehmend verunsicherten, welche Kamera dieses Mal die meinige wird, tauchten gegenwärtig immer wieder Vergleichstests der Platzhirsche von Nikon und Canon gegen die kürzlich erschienene kleine M9 von Leica auf. Dann hab ich den Preis gesehen, mal herzhaft gelacht und mich wieder den Testberichten gewidmet.

Ich fasse das mal zusammen: Eine Kamera, die keinen Autofokus hat, für die es keine echten Zoomobjektive gibt und die nur eine Automatik hat: Das kann nix taugen. Und dann der Preis – lachhaft. Aber mit solchen Kameras haben die damals die Bilder gemacht, die mich heute noch einfangen und die nicht durch verschwenderische Bildbearbeitung eine glutamatartige Würze aufwiesen. Wie geht das?

Ein Junge mit Hut

Ein junger man mit Gesichts Make Up

Es kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem der erste Frust aufbrannte, mir kein Bild mehr so gelang, wie ich es vor meinem geistigen Auge hatte und ich erschreckend nah dran war, aufzuhören. Meine Frau grinste und sagte, dass es jetzt zwei Möglichkeiten gäbe: Entweder, das ganze Gelump wird schnellstens verkauft, dass es gerade noch etwas abwirft oder ich mach’s mit dem Fotografieren jetzt richtig.

Entscheidungen

Ich hab dann alles verkauft. Naja, alles bis auf den Body der D60 und die Standardlinste mit 18 – 55 mm, f/3,5 – 5,6 ohne Stabilisator und habe mit diesen ersten Paar Kröten begonnen, für die Leica M9 zu sparen. Dass es noch einige Zeit dauern würde, bis ich den Betrag zusammen haben würde, war mir klar.

Mir war aber nicht klar, dass die D60 ein toller wie erstaunlich fähiger Begleiter und die Linse darauf zwar nicht lichtstark, doch im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein ziemlich zuverlässiger und treuer Freund würde. Ohne krampfige Gedanken an die Technik funktionierte es auf einmal wieder mit dem Fotografieren.

An dieser Stelle könnte man sich fragen, warum ich solch eine ausschweifende Einleitung schreibe und wann ich endlich von meinen Erfahrungen mit der M9 berichte. Die ersten Erfahrungen teile ich bereits, denn diese Vorfreude und das Auseinandersetzen mit dem Thema haben mir ein anderes Bewusstsein beschert. Diesen Weg, den ich im Zickzack gegangen bin, gehen viele Fotografen mit vergleichbaren Gedanken, Zweifeln und teils sinnigen, teils unsinnigen Handlungen.

Das beweisen mir die E-Mails mit Fragen nach Kameras, die fast täglich mein Postfach erreichen. Ich möchte mit der Einleitung den oftmals quälenden Zustand beschreiben und eine weitere Erkenntnis mitteilen: Nämlich die, dass eine D60 auch heute noch eine richtig gute Kamera ist und dass so eine Entwicklung dazu beiträgt, die eigenen Bedürfnisse sowie die dazu passende Kamera zu finden.

Eine Frau spiegelt sich in einem Eingang

Ich hatte irgendwann genug Geld zusammen. Inzwischen war die M9P erschienen, die etwas teurere, dafür aber unauffälligere Variante mit weniger Leica-Branding und bruchsicherem Glas. Und es gab da irgendwo im Ruhrgebiet eine Arztfrau, die frustriert über das Geschenk ihres Mannes war.

Eine Kamera, sündhaft teuer, die kein Live-View beherrschte, keinen blitzschnellen Autofokus besaß und ausschaute, als besäße sie jemand seit dem zweiten Weltkrieg. Diesem Umstand und der Vorliebe für zeitlose Designs verdanke ich meine M9P zu einem Preis, der ordentlich unter dem herkömmlichen Ladenpreis war. Die zwei Dutzend Auslösungen der ahnungslosen Dame störten mich nicht.

Blick auf einen mann durch ein Schaufenster

Der Umgang mit der Kamera

Ich lernte die Kamera anfangs mit einem geliehenen 50-mm-Summicron kennen und experimentierte viel. Es hat keine Woche gedauert, bis ich das manuelle Fokussieren begriffen und ausreichend verinnerlicht hatte, dass ich zügig scharf stellen konnte. Ich war sogar überrascht, dass ich nahezu keine zeitlichen Einbußen im Vergleich zur DSLR hatte.

Die Funktionsvielfalt der DSLR schöpfte ich auf der Straße ohnehin nicht aus und weil die Leica nicht viel mehr als die Grundbedürfnisse des Fotografierens bedient, war ich daher eher erleichtert, mich im aufgeräumten Menü zurechtzufinden und mich um gar nicht so viel kümmern zu müssen.

Mit das Angenehmste, das mir aufgefallen ist, war eine spürbare Entschleunigung beim Fotografieren. Hat man einmal grob die Entfernung eingestellt, muss man keine großen Kapriolen mehr am Fokusring vollführen, wenn man nicht planlos herumhampelt und ständig drastisch die Entfernung zu möglichen Motiven verändert.

Das geschieht sowieso nur dann, wenn man keine wirkliche Idee hat, was man fotografieren möchte und jedem potentiellen Big Picture, das sowieso keines wird, hinterherhechtet. Bei ausreichend Licht kann ich durch die Straßen ziehen und brauche so gut wie gar nicht mehr fokussieren. Beispielsweise stelle ich, wenn ich faul bin, Blende 8 ein und fokussiere hyperfokal, so ist ab etwas mehr als einem Meter Abstand alles scharf und ich kann mich rein auf den Ausschnitt konzentrieren.

Ein Kopfstand auf einem Skateboard

So wie die Aufmerksamkeit für die Kameraeinstellungen schwand, so sehr vervielfachte sich die Aufmerksamkeit für die Umgebung. Es war extrem befriedigend, denn ich hatte nun das Gefühl, zu fotografieren, also so richtig zu fotografieren.

Die Kamera bringt einen förmlich dazu, eine Situation intensiver zu lesen, zu antizipieren, was geschieht. Die Komposition des Bildes formal und inhaltlich bekommt einen anderen Stellenwert. Man beginnt zudem, sich mit den Grundlagen der Fotografie zu beschäftigen, beispielsweise die Zusammenhänge von ISO, Blende und Zeit zu verstehen um auch in schwierigeren Situationen gewappnet zu sein.

Am Ende eines Fototages waren dann auf einmal keine 500 Bilder mehr auf der Speicherkarte, sondern nur noch 100, davon „saßen“ aber deutlich mehr als je zuvor. Zudem verziehen die Linsen es einem, wenn man nicht hundertprozentig auf den Punkt fokussierte. Das Bild barg eine nicht eindeutig definierbare Natürlichkeit, die ich von der D60 und auch von anderen digitalen Kameras, die ich mittlerweile in der Firma nutzte, so nicht kannte.

Mit 50 mm war ich mit dem Abstand, den ich persönlich für den richtigen hielt, jedoch zu nah am Geschehen und so schoß ich mir bei eBay ein Summicron 35 mm IV von 1991. Das Glas sah fabrikneu aus, mein Setup war nun perfekt. Mittlerweile gibt es Kameras, die gar keine Geräusche mehr verursachen und noch unauffälliger sind als man es mit der Leica ist, aber ich brauche das Geräusch des Auslösens um zu realisieren, dass ich das Bild tatsächlich auch gemacht habe und genieße es jedes Mal, wenn ich diese urige Mechanik wahrnehme.

Sie ist tatsächlich noch mechanisch und kein Bestandteil eines digitalen Soundsets. Das seit Jahrzehnten marginal veränderte Design der M lädt zudem viele Menschen ein, mit mir darüber zu sprechen, weil eine uralte Kiste von Opa dahinter vermutet wird und ich von Passanten somit als Fotograf wahrgenommen werde. Der unliebsame Paparazzi-Faktor von Fotografen mit riesigen Bodies nebst aufgeschnalltem Kanonenrohr verschwindet spurlos.

Ein Kind isst Zuckerwatte

Die M9 im Dunkeln

Ich hab mich lange gescheut, Konzerte mit der Leica zu fotografieren. Man sagt, bei ISO 800 sei bei der M9 finito. Das ist Unsinn. Wenn nicht gerade die Sonne zu grell scheint, habe ich meist ISO 800 eingestellt, weil mich das dezente Rauschen an das Korn der Abzüge meiner Vorbilder erinnert. Bei zunehmender Dunkelheit wird das Rauschen zwar stärker und die M9P hält sicher nicht mehr mit den gängigen Nachtsichtgeräten mit, doch gehe ich nicht selten bis zur maximalen ISO von 2500 hoch.

Klar ist auch da irgendwann ein Limit erreicht, aber es bleibt dieses analoge Gefühl in den Bildern und die Ergebnisse sind durchaus gut. Darf’s ein wenig mehr sein? Ja, natürllich, deswegen liebäugle ich mit der Leica M Monochrom, weil ich ohnehin nur schwarzweiß fotografiere. Ich hätte sie mir auch gleich gekauft bzw. das halbe Jahr gewartet, hätte ich gewusst, dass sie erscheint. Aber wie damals mit der Nikon sehe ich, wie gut die M9 2014 samt Linsen trotz ihres für digitale Verhältnisse „hohen Alters“ ist.

Ein Musiker bei einem Konzert

Und macht die gute Bilder?

Die M9 ist 2009 am Markt eingeführt worden und stand damals als kleinste vollformatige Systemkamera für überragende Bildqualität. Selbst fünf Jahre später sind die Ergebnisse bei optimalen Bedingungen und richtiger Belichtung wirklich schwer zu schlagen. Fotografiere ich JPGs, so bekomme ich Abbildungen der Umgebung, die meinem Sehempfinden entsprechen und eine Prise leicaesquen Charmes enthalten, von dem man hier und dort hören kann.

Fotografiere ich in RAW, habe ich ein unglaubliches Spektrum an Bearbeitungsmöglichkeiten. Ich erwähnte, dass ich Bildbearbeiter bin. Ich bin es also gewohnt, Bilder unterschiedlichster Kameras zu bekommen und zu bearbeiten. Die RAWs der Leica sind bis auf den einzelnen Pixel „sauber“ und bieten mir sensiblen Spielraum für dezente wie große Anpassungen, wo ich bei RAWs von Canon und Nikon im gleichen Preissegment schon mal Schwierigkeiten bekomme.

An dieser Stelle erinnere ich mich aber an meine alte D60 und daran, dass ich eine Ausstellung mit knackscharfen Abzügen der Größe 80 x 50 cm hatte. Und bevor irgendwelche Linienzähler auf die Barrikaden gehen: Geht in eine Ausstellung irgendeines Magnum-Fotografen und macht mit Eurer 1000-Gigapixel-ISO-5000000-Knipse so fesselnde Bilder wie die Mädels und Jungs, deren Bilder Ihr dort seht. Dann bin ich beeindruckt.

Ein Mann steht vor einem Haus

Was ich abschließend sagen möchte

Wer vor der Wahl einer neuen Kamera steht, sollte sich zuerst immer fragen, was fotografiert werden soll. Zum Ausprobieren oder zur fotografischen Selbstfindung ist die Anschaffung teuren Geräts meist Unsinn, selbst, wenn die Leica mir bei meinem Weg geholfen hat. Ich hatte allerdings schon eine ziemlich genaue, wenn auch nicht hinreichend formulierte Idee davon, was ich machen wollte.

Wer nur probiert, sollte sich nichts Größeres holen, wie die Nikon D60, es sei denn, Geld spielt keine Rolle. Aber selbst dann verleitet der Glaube an Megapixel und Co. zu Faulheit und man überlässt der Kamera schnell die eigentliche Arbeit am Bild. Das Ergebnis wird tendenziell enttäuschender sein.

Die Leica M9 ist das, wofür sie entwickelt und gebaut wurde: Ein Fotoapparat. Auf höchstem Niveau entwickelt, dem digitalen Zeitalter angepasst und mit äußerster Präzision hergestellt, überlebt sie eine Kamera-Generation nach der anderen.

Sie bräuchte für die nächsten 50 Jahre vielleicht nicht mehr als ein wenig mehr Lichtempfindlichkeit und etwas schnellere interne Verarbeitung, denn die ist leider noch auf dem Stand von 2009. Ich werde dem System treu bleiben, irgendwann vielleicht um die Monochrom erweitern, denn ich bin ziemlich glücklich und zufrieden mit ihr.

Und wieder kommt mir der Gedanke: Eine Kamera, die keinen Autofokus hat, für die es keine Zoomobjektive gibt und die nur eine Automatik hat? Genau das Richtige für mich!


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Das Ende einer Ära

07 Nov

1977 wurde in den USA die erste kommerzielle Videothek eröffnet. Mitte der achtziger Jahre gab es auch in der BRD schon an die 1000 Verleihe. Die Kinobranche sah sich bedroht durch dieses neue Phänomen, das inzwischen selbst dem Niedergang geweiht zu sein scheint.

Videotheken boten als Depots für zahllose Leihfilme Material für Abertausende Stunden an seichter oder aufreibender bis hin zu anstößiger Abendunterhaltung. Ob bombastischer Blockbuster, schmierige Schnulze oder schmutziger Porno – die Filmverleihe bedienten nahezu jeden vorstellbaren Geschmack quer durch die Gesellschaft.

Verkaufstisch mit nicht jugendfreiem Filmmaterial.

DVD-Regal in einer Videothek.

Schon immer waren sie Orte, an denen Angehörige unterschiedlicher Teile der Gesellschaft sowie unterschiedlicher Generationen aufeinander treffen. Lokalzeitungen berichten inzwischen wiederholt, wie die Zahl der Videotheken in Deutschland abnimmt. Im Jahr 2007 gab es insgesamt 4173, 2011 waren es nur noch 2218. Ein deutlicher Abwärtstrend zeichnet sich ab, der durch die Verbreitung von Abo-Diensten im Netz weiter zunehmen wird.

DVD-Regal in einer Videothek.

Video on Demand boomt, denn es ist bequem, direkt am heimischen Gerät zu wählen, was man schauen möchte, wobei sich zudem sogleich manche Scham- oder Altersgrenze mit überwinden lässt. Heute noch existierende Videotheken bauen ihr Angebot durch ein umfangreiches Sortiment an Snacks und Utensilien für den „perfekten Videoabend“ aus, um auf diese Weise Umsatzeinbrüchen entgegenzuwirken.

DVD-Regale in einer Videothek.

Der Fotograf Ben Kuhlmann sieht in dem Untergang einer Branche Stoff für eine Dokumentation. Dabei gehe es ihm aber nicht um die Menschen, die dort verkehren, sondern viel mehr um die Formulierung eines subjektiven Blickes auf diese Einrichtungen, ihre Gestaltung und Atmosphäre.

Ihn interessiere vor allem auch die Verortung der Videotheken im Stadtraum. Kann jenseits der städtischen Randlagen, wo einst die Hauptverkehrsrouten die Filialen mit motorisierten Kunden fütterten, heute eine zentralere Position im Stadtbild die eine oder andere Existenz weiterhin sichern?

DVD-Regal in einer Videothek.

Ben Kuhlmann widmet sich ganz dem Fotografieren verbliebener Videotheken und hat deshalb eine Crowdfunding-Kampagne dafür gestartet. Ihn zu unterstützen lohnt sich; sein Projekt mündet in der Produktion eines limitierten Fotobuches, das möglicherweise schon in wenigen Jahren ein Zeitzeugnis vergangener Alltagskultur sein wird.


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Flüchtige Begegnungen in einer fremden Kultur

23 Jun

Auf einer Fotoreise im Süden Indiens wurden mein Kollege und ich von unserem Gastgeber freundlich darauf hingewiesen, dass es besser sei, in der Öffentlichkeit keine Frauen zu fotografieren. Männer dagegen könnten wir einfach ungefragt ablichten, die meisten würden sich freuen.

Daheim in Deutschland hätten wir einfach um Erlaubnis gefragt oder in manchen Situationen gar nur die Kamera hochgerissen und abgedrückt. Hier war das anders. Selbst mit einer freundlichen Bitte um Erlaubnis hätten wir uns in konservativen Gegenden unter Umständen Ärger eingehandelt. Sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen, war für uns selbstverständlich. Also machten wir das Beste daraus.

Nach einigen spannenden Szenen, die an uns vorbeizogen, ohne dass ein Klick-Klack zu hören war, suchte ich mir eine Alternative. Ich begann damit, Männer, die mir auf der Straße begegneten, anzusprechen und zu fotografieren, diese flüchtigen Begegnungen festzuhalten. Ein kurzes Gespräch, ein Wortwechsel im Kampf mit der Sprachbarriere, ließ diese Momente besonders werden.

Fischer, Gemüsehändler, Bettler, Taxifahrer – ein kurzer gemeinsamer Moment, ein schnelles, freundliches Lächeln, um in der Fremde etwas zu teilen.

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

Schwarzweiß-Portrait eines indischen Mannes

There are no foreign lands. It is the traveler only who is foreign.

? Robert Louis Stevenson


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Haiku einer Orchidee

29 May

fragrant orchid —
into a butterfly’s wings
it breathes incense

Ihrer Arbeit „Haiku II“ hat die Grafik-Designerin und Fine-Art-Künstlerin Kate aus Riga in Lettland dieses Haiku des japanischen Dichters Matsuo Basho aus dem 17. Jahrhundert vorangestellt.

Liest man nach, findet man heraus, dass Basho der Versform des Haiku dazu verhalf, zu einem Hauptgenre der japanischen Poesie zu werden, nachdem es vorher fast ausschließlich für kurze Witze oder Wortspiele gebräuchlich war.

Sein meditativer Lebensstil spiegelt sich in der Einfachheit seiner Haikus wider, seine Dichtung bediente sich am Zen-Gedanken und er verwendete viele Naturmotive. Damit schließt sich der Kreis zu Kates hier vorgestellter Serie.

Sie ist die in mehreren Stadien festgehaltene Studie einer Orchideenblüte. Immer weiter nähert die Fotografin sich dem Gegenstand ihres Interesses an. Die Formen werden nach und nach deutlicher zu erkennen, wie man ein Objekt immer besser kennt, umso länger man es untersucht.

Wunderbar durch Unschärfe dargestellt, schälen sich die Formen des fragilen Gebildes immer deutlicher aus dem Raum heraus. Werden von allen Seiten betrachtet. Weder überflüssige Farben noch andere Gegenstände lenken ab, das Farbschema ist monochromatisch und der Hintergrund einfarbig, leer.

Teilweise drängt sich mir der Vergleich zu Röntgenbildern auf, so durchleuchtet wirken die Äderchen der Blätter auf mich. Kate möchte es genau wissen, mit einem Blick von außen bis ins Innerste vordringen.

Detail einer Orchideenblüte.

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

Während Kates Webseite noch in der Entstehung begriffen ist, könnt Ihr diese und andere ihrer Arbeiten auf ihrem Portfolio bei Behance einsehen. Dort findet Ihr auch ihre anderen Werke, in der sie mit Vorliebe natürliche Strukturen mit gezeichneten, konstruierten oder gemalten Formen kombiniert.


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Wie geht Ihr mit einer Foto-Blockade um?

06 Jul

Fotoblockaden sind ekelhaft. Zumindest bei mir. Ich verspüre dann so absolut gar keine Lust, irgendeine Kamera in die Hand zu nehmen und schon der Gedanke ans „Fotografieren gehen“ führt unweigerlich zu Augenrollen. Zwar sind diese Zeiten in den letzten Jahren seltener geworden, aber ich bin mir sicher, dass ich nicht gegen die Fotoblockade gefeit bin.

Und jedes Mal, wenn ich davon lese, wie jemand ehrlich darüber schreibt, in einem kreativen Loch gefangen zu sein, fühle mich mich ein bisschen weniger allein. So schrieb Marit neulich:

Aber letztens packte mich die Kreativ-Neurose bzw. -Depression. Ich konnte plötzlich nicht mehr fotografieren. Alles, was mir vorschwebte, alles, was ich dachte zu beginnen, braute sich zu einem übel stinkenden Brei zusammen.

Daran erkenne ich zwei Dinge: Erstens, auch Marit kennt das Gefühl. Zweitens, bei Marit ist es anders als bei mir. Ich brauche also erst gar nicht zu glauben, dass es ein Patentrezept gibt, das allen Fotoblockierten hilft.

Und trotzdem ist es interessant und spannend zu lesen, wie andere damit umgehen. Was sie tun oder nicht tun, um dem ganzen Schlamassel zu begegnen. Und damit seid Ihr dran: Ich möchte von Euch wissen, wie Ihr damit umgeht, wenn Ihr in einer Blockade steckt.

Was macht Ihr dann?

Erzählt doch mal. Schreibt doch mal. Sagt doch mal. Nein, keine klugen Tipps. Ganz persönlich. Von Euch, über Euch. Ich bin gespannt. Sehr sogar.

Übrigens: Es gibt Leute, die lesen kwerfeldein nur, weil sie die Kommentare so toll und lehrreich finden. Also gebt alles.


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Am Anfang einer Reise

22 Jun

Ein Beitrag von: David Uzochukwu

Die Frage, die mir wohl am häufigten gestellt wird, wenn Leute meine Bilder sehen, ist die nach meinem Alter. Wenn ich dann mit 14 antworte, sind die meisten Menschen erst einmal erstaunt. 14?

Ich habe unglaubliches Glück, dass ich so früh auf die Fotografie gestoßen bin. Im Sommer 2009 entdeckte ich die Digitalkamera meiner Mutter und war sofort fasziniert von der Idee, Momente festzuhalten. Wie besessen fotografierte ich Blümchen und Katzen. Doch nach einer gewissen Zeit war das nicht mehr so befriedigend wie am Anfang und so suchte ich nach etwas Neuem.

Ich fand flickr. Schnell hatte ich mich angemeldet und erforschte die Seite. Was es da alles gab! So viele Farben und so viel Bokeh! Schnell stieß ich an die Grenzen der Kompaktkamera. Vor anderthalb Jahren bekam ich dann meine Canon EOS 500D geschenkt. Der Qualitätsunterschied begeisterte mich. Aber man kann von einem Blumenstrauß nur eine begrenzte Anzahl Fotos machen, bis man sich langweilt. Ich brauchte Abwechslung!

© David Uzochukwu

Da stieß ich auf Alexis Mire und Brendon Burton und war absolut fasziniert – von ihren Bildern und von den Geschichten, die sie erzählten. So begann ich, mich für Portraits zu interessieren und für das Geschichtenerzählen. Bloßes Dokumentieren war mir nicht mehr genug. Ich wollte erschaffen, erzählen, Menschen mit meinen Bildern zum Nachdenken und zum Fühlen bringen. Das wurde mein Ziel.

Ich durchsuchte das Internet nach Möglichkeiten, meine Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Ohne die vielen Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihr Wissen online zu teilen, wäre ich wahrscheinlich nie weitergekommen. Die Werke meiner beiden Vorbilder wurden untersucht und im Detail analysiert.

© David Uzochukwu

Ich fragte mich: Wie geht das? Ich war besessen und ich kann nicht sagen, dass diese Besessenheit inzwischen verschwunden wäre. Ich probierte aus und experimentierte, versuchte mich in analoger Fotografie und dann auch in Photoshop. Hier fand ich letztendlich, was ich gesucht hatte: Einen Weg, meine Bilder zu verbessern. Ich las unzählige Artikel über Bildbearbeitung, sah mir Tutorials an, probierte, machte Fehler und probierte erneut.

Um so viel zu üben, brauchte ich viele Bilder. Aber wen sollte ich fotografieren? Ich kam zu dem Schluss, dass ich mir wohl oder übel selbst als Modell dienen musste. Der Anfang war schrecklich. Alles lief schief: Von der Schärfe der Bilder über die Komposition bis hin zu meinem Gesicht, das ich nicht mochte. Doch ich hörte nicht auf. Ich wollte unbedingt so gut werden wie die Fotografen, die ich im Internet gesehen hatte.

© David Uzochukwu

Und mit der Zeit wurden die Bilder besser. Ich konnte Ideen, die ich hatte, genauer umsetzen, die Bilder wurden öfter scharf und manchmal gefielen sie mir auch. Hin und wieder mochte ich es sogar wirklich, wie ich auf einem Foto aussah. Das Fotografieren wurde zu etwas Persönlichem, Therapeutischem.

Ich fotografiere mich heute nicht, weil sich kein anderes Modell auftreiben lässt, sondern weil ich es will. Das hat nichts mit Narzissmus zu tun, sondern mit Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. – Wie oft blieben Leute schon stehen und schauten mir zu, während ich halbnackt im Wald lag, angezogen in einem halbversunkenen Boot saß, in einen Container auf der Straße kletterte oder mich auf Baustellen in Erde verbuddelte?

© David Uzochukwu

Fotografie hat mich als Person verändert. Sie gibt mir Sicherheit und sie fordert mich heraus. Sie ist ein Teil von mir. Sie hat meine Aufmerksamkeit geschärft, meinen Sinn für Ästhetik geprägt. Sie hat mir neue Freunde verschafft und mir gezeigt, was Leidenschaft ist. Ich weiß jetzt, dass mich die Fotografie nicht mehr freigeben wird und das ist gut so.

Die Frage, die mir wohl am häufigten gestellt wird, wenn Leute meine Bilder sehen, ist die nach meinem Alter. Wenn ich dann mit 14 antworte, sind die meisten Menschen erst mal erstaunt. 14? Und ich nicke, manchmal stolz.


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An den Ufern einer schwindenden Insel

11 Jun

Ein Beitrag von: Daesung Lee

Die Insel Ghoramara liegt in der Deltaregion des indischen Bundesstaates Westbengalen. Aufgrund des Klimawandels und dem damit einhergehenden dramatischen Anstieg des Meeresspiegels werden die Ufer der Insel seit den 1960er Jahren stetig ausgewaschen.

Seit den 1980ern ist mehr als die Hälfte des Inselterritoriums der Erosion zum Opfer gefallen. Mit dem Ergebnis, dass inzwischen zwei Drittel der ursprünglichen Bevölkerung die Insel verlassen haben.

Ghoramara © Daesung Lee

Viele Menschen, die noch immer hier leben, sind Bauern oder Fischer, deren Leben von den natürlichen Ressourcen der Insel abhängig ist.

Laut eines Staatsbeamten, den ich vor Ort getroffen habe, könnte die indische Regierung die Insel in 20 bis 25 Jahren aufgeben und hat bereits Pläne angedeutet, die Bewohner auf eine andere Insel namens Sagar zu evakuieren.

Doch sieht dieser Evakuierungsplan keinerlei finanzielle Unterstützung für diejenigen vor, die ihr Leben vollständig verlagern müssen.

Ghoramara © Daesung Lee

Als ich Ghoramara besuchte, konnte ich bereits im Ansatz erkennen, wie sich dort durch die steigenden Fluten allmählich ein Erbe auflöst.

Durch die Erosion entblößte Wurzeln versinnbildlichen das fehlende Fundament im Leben der Menschen. Das Meer verschlingt ihre Vergangenheit, während ihre Zukunft ungewiss bleibt.

Ghoramara © Daesung Lee

Das kontinuierlich zurückweichende Ufer und die schwindende Vegetation hinterlassen eine Küste aus Sedimenten von ironischer Schönheit inmitten der kargen Ufer. Man könnte auch von einer tragischen, menschengemachten Schönheit sprechen.

Für meine Fotoarbeit „On the shore of a vanishing island“ (der englische Originaltitel der Serie, Anm. d. Red.) habe ich Inselbewohner am Ufer platziert, sie der Schönheit des schwindenden Eilands gegenüber gestellt und Portraits von ihnen gemacht, um eine unrealistische Anmutung zu erzielen.

Ghoramara © Daesung Lee

Aber dennoch handelt es sich ja dort, wo sie leben, um eine für sie sehr reale Situation. Der Tag wird kommen, an dem die Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Eines Tages wird die Insel, auf der sie geboren wurden nur noch in ihrer Erinnerung existieren.

In meinen Projekten setze ich mich kontinuierlich mit dem Einfluss der Globalisierung auseinander. Begonnen, fotodokumentarisch zu arbeiten habe ich 2007 als ich die Bergbaustadt Campa in der Nähe der Halong-Bucht – einem Weltnaturerbe der UNESCO – in Vietnam besuchte.

Die Kohlegewinnung hat die Stadt und die Umwelt in diesem Bereich vollständig zerstört. Mir wurde klar, dass diese Art der Gewinnung natürlicher Rohstoffe Teil der Weltwirtschaft ist, vorangetrieben von der Globalisierung und unserem Verbrauch.

Ghoramara © Daesung Lee

Also begann ich, das Thema der Rohstoffgewinnung in den Ländern Asiens zu vertiefen und mir Gedanken über die Folgen der Globalisierung zu machen. „On the shore of a vanishing island“ ist dabei als Teilserie im Rahmen meines gesamten Projektes angelegt.

Die Bewohner Ghoramaras sind auf einen traditionellen Lebensstil angewiesen, auf Fischfang und Landwirtschaft in einem nachhaltigen ökologischen System, das nichts mit Globalisierung zu tun hat.

Ghoramara © Daesung Lee

Ghoramara © Daesung Lee

Doch ihre Existenz ist durch die Auswirkungen derselben auf ihren Lebensraum im Begriff, zerstört zu werden und dafür sind teilweise wir verantwortlich.

Ich habe vor, dieses Projekt an anderen Orten weiterzuführen, wie in der Mongolei, im Amazonas oder in Grönland, wo traditionelle Lebensräume von Menschen durch Desertifikation, Abholzung und Rohstoffgewinnung bedroht sind.

Ghoramara © Daesung Lee

Ich finanziere alle meine Projekte selbst und arbeite dafür in mehreren Teilzeitjobs. Es ist nicht einfach, auf diese Weise mein Langzeitprojekt fortzuführen. Doch ich halte daran fest, damit ich meine Ideen zeigen und so mittels meiner Fähigkeiten als Dokumentarfotograf zur Gesellschaft beitragen kann.

Daesung hat diesen Artikel auf Englisch verfasst, unser Redakteur Robert hat ihn für Euch auf Deutsch übersetzt.


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Entzückungen einer Tagträumerin

31 Jan

Ein Beitrag von: Helen Warner

Seit drei Jahren fotografiere ich nun ernsthaft und alles begann mit einem Filmprojekt. Ich hatte mich entschieden, das Storyboard für einen Kurzfilm zu erstellen, indem ich Fotos machte, anstatt zu zeichnen.

Seitdem ich mein Filmstudium mit dem Master abgeschlossen hatte, war ich sehr bemüht, meinen ersten Kurzfilm zu machen. Jedoch fand ich den Prozess sehr langwierig und bemerkte recht bald, dass das Erstellen eines eigenen Filmes eine ziemlich schwierige Aufgabe war. 

Als ich dann mit meiner Serie aus Fotografien nach Hause kam, die den Verlauf der Geschichte zusammenfassten, wurde mich recht schnell klar, dass es möglich ist, eine Erzählung in eine einzige Aufnahme zu fassen. Ich mochte die Unmittelbarkeit des Prozesses und war schnell davon besessen, Geschichten erzählende Fotos zu kreieren.

Ich erinnere mich noch gut daran, andere Fotografen zu bewundern, die Programme wie Photoshop beherrschen. Sie bringen es fertig, so viel mehr in ihre Arbeiten zu zaubern, indem sie die Realität ihres ursprünglichen Fotos digital beeinflussen.

Davon war ich ziemlich fasziniert, jedoch konnte ich keinen Spaß am Photoshoppen finden und auch keine Geduld dafür aufbringen, das Programm zu erlernen.

So versuchte ich, Effekte dadurch nachzuahmen, dass ich unterschiedliche Materialien benutzte. Ich bemale sehr häufig meine Modelle in weiß, sodas sich die Haut sich nicht nur vom Hintergrund unterscheidet, sondern heraussticht. Ich mag es, verschiedene Materialien wie Puder, Acrylglas, Plastik und viele andere zu verwenden, um „hausgemachte“ Texturen und Strukturen zu erstellen.

Da alles, was man in meinen Bildern sieht, real ist – keine Bildmanipulationen oder andere Spezialeffekte – muss ich sehr bedacht darauf sein, wo und wann ich fotografiere. Nur selten nutze ich direktes Sonnenlicht. Der Grund dafür ist, dass ich denke, dass es nicht zu meinen Ideen passt.

Ich weiß, dass das Arbeiten an theatralischen Ideen oft ein schmaler Grat ist und ich finde, dass ein kaltes, diffuses Licht dem Bild eine Art Ernsthaftigkeit gibt. Und das hilft mir auch, nicht in die Gefilde der Lächerlichkeit abzudriften.

Das Licht, das ich benutze, spiegelt auch die Themen meiner Arbeit wider. Ich spiele gerne mit Dunkelheit und Helligkeit und versuche, eine Ausgeglichenheit innerhalb der Themen zu finden. Meine Arbeit wurde schon einmal als „dunkle Kunst“ bezeichnet, da sich meine Fotos oft um Flucht, Einsamkeit, Tod und ähnliche Dinge drehen.

Die Fotografien können sehr schnell zu gothic werden, deshalb mag ich es, Elemente der Romantik einzubauen und auf diese Weise aus der Dunkelheit Licht zu machen.

Meine Aufnahmen sehe ich als so etwas wie meine persönliche Reflexion des Unbekannten, so etwas wie ein Weg, die Angst vor den großen Fragen des Lebens zu lindern, die uns alle manchmal peinigt.

Ich glaube aufrichtig an Entzückungen und Verzauberungen und tendiere dazu, viel tagzuträumen, was mir nicht immer zum Guten dient, aber mich nichtsdestotrotz auf einen kreativen Pfad gelenkt hat.

Den ersten Hauptteil meiner Arbeit habe ich nun fertiggestellt und beschäftige mich derzeit mit einem neuen Projekt, genannt „The Frozen Theatre“. Mit dieser großen Serie möchte ich wieder eine Geschichte durch eine Serie von Fotos erzählen anstatt nur mit einzelnen Bildern.

Manchmal sehe ich meine Fotografien auch als eine Art Vorbereitung auf einen Film. Und ich hoffe, eines Tages einen solchen zu machen, obwohl dafür dann natürlich viel mehr Leute gebraucht werden.

Deshalb bin ich gerade jetzt recht glücklich darüber, ganz auf mich allein gestellt zu sein und lerne auf meinem Weg viel dazu. Wer weiß, vielleicht dienen diese Bilder ja eines Tages als ein Storyboard für einen surrealen Kurzfilm.

Dieser Artikel wurde von Helen Warner auf Englisch geschrieben und von Martin ins Deutsche übersetzt. 


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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