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Posts Tagged ‘Dinge’

Die Ursprünge aller Dinge

12 May

© Nadia Maria

Ein Beitrag von: Nádia Maria

Dieses Zitat fällt mir ein, wenn ich versuche, etwas über meine Fotos zu schreiben. In meinen Arbeiten geht es um mein Innerstes oder die Manifestation dessen, was mit mir passiert. Oft realisieren wir Veränderungen erst, nachdem sie passiert sind. Für meine aktuelle Serie fehlen mir noch die Worte, da ich noch völlig darin versunken bin.
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Fotoskulpturen oder Der Stand der Dinge

26 Feb

Ein Stück Rollrasen liegt auf einem Bett.

Zum ersten Mal so richtig begegnet sind mir zufällige Skulpturen letztes Jahr beim Streunen durch die Berge Islands. Zwischendurch haben wir immer wieder gestapelte Steinberge gefunden, die einen einsam in der Landschaft, manche zu Hunderten auf einem Pass. Einige waren stabil, unversehrt und voller Moos, andere fragile Bauten, die beim nächsten Sturm mit Sicherheit umgeweht worden sind. Sie werden also danach nur noch auf dem Foto existieren, das ich von ihnen gemacht habe.
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Die Sterblichkeit der Dinge

27 Aug

Die Menschen auf seinen Bildern sind manchmal seltsam verzerrt, als hätte gerade eben noch im Bild die Erde gebebt und ein gewaltiger Ascheregen fiel auf sie nieder, verdunkelte ihre Gesichter oder tauchte sie sogar in absolute Schwärze.

Ich denke wieder an Pompeii, wenn ich die Bilder von Arslan Ahmedov sehe. An die stillen Körper, die gerade noch schützend ihre Arme umeinander legten. An Menschen, die dem Endgültigen entgegen blickten und deren Konturen mit jedem Windhauch mehr und mehr verschwanden. Mich hatte das damals zutiefst berührt.

Persephone © Arslan Ahmedov

Jede Fotografie ist eine Art memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit.*

Dieses Zitat von Susan Sontag beschreibt, so Arslan Ahmedov, am besten die psychologische Essenz des fotografischen Mediums, besonders im Bezug auf Menschen.

In seinen Bildern versucht er, archetypische Charaktere oder Erinnerungen an jemanden zu erzeugen. Wenn wir an Menschen denken, die wir lange nicht mehr gesehen haben, so löscht die Zeit die Konturen jener Person langsam aus, sagt er. In unserem Kopf wird die Person zu einer unscharfen Erinnerung ihrer selbst.

Paloma Negra © Arslan Ahmedov

Wenn er Menschen portraitiert, dann ist das sein persönliches Ringen mit dem Tod, aber vor allem mit der Zeit, so sagt er. Mit der Fotografie kann er eine Idee oder einen Teil der Persönlichkeit eines anderen sichtbar machen und festhalten und zwar für mehr als nur eine Sekunde.

Ich versuche, die Gegenwärtigkeit und Energie, nicht Erscheinung und Form einer Person vor der Kamera einzufangen.

Und so ist mein Vergleich zu Anfang mit den Toten von Pompeii vielleicht gar nicht so abwegig, wenn ich seinen Worten glauben schenke.

Mother and Daughter © Arslan Ahmedov

Manchmal ziehe ich es vor, die Persönlichkeit zu verstecken, um den Geist der Leute zu zeigen, aber wenn ich das tue, verschwindet sie nicht völlig, ich ziehe nur eine Haube darüber, denn ohne die Aura, den Charakter einer Person käme ich nicht aus.

Er spricht aus, was ich selbst oft denke. Dass der Mensch nicht einfach nur Objekt ist, sondern sich auf einem Bild immer wesentlich mehr abspielt.

Egal ob nun das wahre Wesen einer Person abgelichtet werden will oder eben ein angedachtes oder interpretiertes Gefühl aus der Situation heraus, in der sich Fotograf und Portraitierte befinden.

Danae Ne Dort Pas © Arslan Ahmedov

Arslan Ahmedov ist ein bulgarischer Fotograf, der in Sofia wohnt und arbeitet. Er fotografiert seit 2006 und hat an einigen Gruppenausstellungen in Bulgarien, Brasilien und der Türkei teilgenommen. Seine Arbeiten kannst Du in seinem Flickr-Stream bewundern, wozu ich Dich nun auch inständig dränge.

* aus Susan Sontag: „Über Fotografie.“ Aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien und Gertrud Baruch. München/Wien 1989. S. 9-28.


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Die einfachen Dinge

01 Jul

Ein Beitrag von: Laura Lou

Wenn ich Fotos von mir selbst mache, ist es in erster Linie immer etwas sehr Persönliches und ich realisiere gar nicht richtig, dass das Bild später weitere Menschen sehen werden, die vielleicht gar nicht wissen, wie sie es verstehen oder was sie nun von mir halten sollen. Bin ich denn nicht eingebildet oder gar egozentrisch, wenn ich mich als Objekt meiner Kunst nehme und sich in diesen Fotos alles um mich dreht?

Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, denn an manchen Tagen bin ich derart von Selbstzweifeln besessen, dass ich jegliche Art von Beschäftigung mit meiner Person als Egozentrik werte.

Doch bei genauerem Betrachten kam ich zu dem Schluss, dass es gesund ist, sich mit sich selbst und seinen Gedanken zu beschäftigen und natürlich noch besser, wenn in diesem Prozess auch noch Kunst entsteht.

Zumindest habe ich mich aus jenen Gründen im letzten Sommer dazu entschlossen, ein Selbstportrait-Projekt anzugehen, das sich über 52 Wochen zieht. Ich wollte mich fotografisch, aber auch persönlich weiterentwickeln, da sich gerade viel in meinem Leben getan hatte und ich dies auch als eine Art Neuanfang sah.

Im Laufe des Projekts kam ich immer öfter auf das Einfachste zurück, was ich besitze: Die Rückseite meines Reflektors oder der Eingang unserer Scheune, alles, was einen schwarzen Hintergrund zauberte. Manchmal aus Zeit- oder Ideenmangel, aber meistens, da mich der Minimalismus reizte, daraus noch einmal etwas völlig Neues zu schaffen. Unbewusst entstanden diese Bilder so, dass sie theoretisch auch eine Serie bilden könnten.

inspired by Daniele Buetti © Laura Lou

Zwei dieser Bilder sind von Daniele Buetti inspiriert, einem Schweizer Künstler, der in den 90ern mit seinen „Leuchtkästen“-Manipulationen von Bildern berühmter Modelle bekannt wurde. Als ich diese Bilder zum ersten Mal sah, war ich sofort gefesselt von ihrer Einzigartigkeit.

Die Idee, die Umsetzung, die Nachricht an den Betrachter, alles war so unvergleichbar einmalig und brillant. Man merkt sofort, dass ich große Bewunderung für seine Arbeiten hege, sodass sie mir auch lange nicht aus dem Kopf gingen, bis ich entschied, einfach eine eigene Version, sozusagen als Widmung, zu schaffen.

Bei diesen Bildern geschah erst während der Bearbeitung der nötige Schritt, der sie für mich zu einem persönlichen Werk machte und womit sie für mich nun auch an emotionalem Wert gewannen.

Jeder einzelne der Punkte wurde von der Spitze meines Grafiktablett-Stiftes an seine Stelle gesetzt. Diese Prozedur war unglaublich zeitintensiv, doch mochte ich die Zeit, die ich damit verbrachte. Begleitet von den Klängen meiner Lieblingsmusik hatte die Beschäftigung mit etwas so grundlegend Einfachem beinahe schon etwas Rhythmisches und Entspannendes.

cracked me © Laura Lou

Das nächste Bild wäre beinahe nicht entstanden, da ich schon komplett verzweifelt und kurz davor war, aufzugeben. Ich war sowieso nicht bester Laune, was das Endresultat, meiner Ansicht nach, auch wiedergibt. Ich habe mich dann aber zusammengerissen und noch mal von vorn angefangen.

Jedes Dreieck ausgewählt, ausgeschnitten, kopiert und an seinen Platz gebracht. Es war einfach einer dieser Tage, an denen man das Gefühl hat, sich aufzulösen in all dem Stress, der einen umgibt. Und mit diesem Gefühl entstand auch die Idee und ihre Umsetzung.

paperrip © Laura Lou

Mir fällt erst beim Schreiben dieses Artikels auf, dass viele meiner Selbstportraits aus Traurigkeit oder Verzweiflung entstehen. Bei dem nächsten Foto reichten sie soweit, dass ich mich am liebsten wie ein Stück Papier zerrissen und die Fetzen durch die Luft geworfen hätte. Glücklicherweise habe ich mich stattdessen einfach an ein Foto gesetzt, das es, zumindest bildlich, für mich tut.

snowcatcher © Laura Lou

Das letzte Bild, „the first snow“, entstand einfach nur spontan, da der erste Schnee im letzten Winter schon im Oktober fiel und ich natürlich in Euphorie über diese ungewöhnliche Wettererscheinung unbedingt ein Foto in ihm machen wollte. Leider blieb er aber nicht liegen und ich musste mit Photoshop improvisieren.

Rückblickend kann ich diese sechs Schwarzweiß-Bilder am ehesten unter folgendem Satz zusammenfassen: Manchmal sind es eben doch die einfachen Dinge, die das meiste bedeuten.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Über alltägliche Dinge

08 Oct

Die Mehrzahl der Dinge, die uns im Alltag umgeben, ordnen sich ganz ihrer Funktion unter. Wenn sie gebraucht werden, benutzen wir sie, anschließend stellen wir sie ab bis zum nächsten Gebrauch.

© Jakob Hunosøe

Dabei ist ihre Anordnung im Raum zufällig, wirkt meist chaotisch, da wir keinen Mehrwert aus einer Anordnung ziehen würden. Dinge stehen dort herum, wo wir sie abgelegt haben oder sie beim nächsten Mal brauchen.

Die Form der Falten auf einem Bett und der zerknüllt getrockneten Spüllappen wird nur durch unsere Bewegungen bestimmt. Oft routiniert, immer gleich und doch jedes Mal anders, weil keine Situation vollkommen gleich ist, in der wir durch unser Leben das Aussehen unserer Alltagsumgebung gestalten.

© Jakob Hunosøe

Selten passiert es, dass die Form einer solch zufälligen Anordnung figürlich ist, sodass irgendein Teil unseres Gehirns ein Bild erkennt und uns staunen oder lachen lässt. Über eine Regelmäßigkeit im zufälligen Chaos, über plötzlich auftretende Symmetrien oder unmöglich scheinende Anordnungen.

Jakob Hunosøe wartet nicht auf diese Momente, er schafft sie sich selbst. In seiner aktuellen Fotoserie “On Things Ordinary” arrangiert er Situationen, die zu sonderbar oder regelmäßig sind, um aus unserem zufälligen Umgang mit unserer Umgebung hervorgegangen zu sein.

© Jakob Hunosøe

In einem aufgeräumten, klaren, fast dokumentarischen Stil hält er Symmetrien, angeordnete Objekte, schwebende Gegenstände und ungewöhnlich Geformtes fest, das er vorzugsweise in Bädern, Küchen und der eigenen Wohnung findet.

Ich bewundere, wie Jakob es schafft, sich mit alltäglichen Gegenständen, die uns normalerweise so vertraut sind, dass wir sie im Grunde nicht mehr richtig wahrnehmen, fast übersehen, nie genau anschauen, so zu beschäftigen, dass verblüffende Momentaufnahmen entstehen.

© Jakob Hunosøe

Dazu schafft er einen Kontrast zwischen Minimalismus und Komplexität, denn obwohl die meisten seiner Kompositionen mit einem Blick zu erfassen sind und nur wenige Objekte involvieren, kann man sehr lange auf seinen Arbeiten herumwandern und trotzdem weitere überraschende Details entdecken.

Eine Einladung an jeden von Tatendrang erfüllten, oft aber ideenlosen Fotografen, der wie ich schon vor Jahren die eigene Wohnung mangels potentiell interessanter Motive gedanklich abgehakt hat. Zeit für eine Neuentdeckung der eigenen vier Wände.

© Jakob Hunosøe

Jakob Hunosøe wurde 1975 in Dänemark geboren, heute lebt und arbeitet er in Kopenhagen. Seit seinem Abschluss 2004 an der Königlich Dänischen Kunstakademie kann er auf eine beachtliche Anzahl an Ausstellungen und Auszeichnungen zurückblicken.

Seine Arbeiten beschäftigen sich nicht nur in dieser Serie mit den alltäglichen Gegenständen und dem Raum um uns herum. Er benutzt die Fotografie als neutrales Abbildungsmittel, um damit die Grenzen des Absurden, Humorvollen und Surrealen auszuloten.


KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

 
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