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Posts Tagged ‘Buchrezension’

Buchrezension: Anton Corbijn – 1-2-3-4

08 Jun

Anton Corbijn

Bei seinen anhand der Fülle der Bilder und der Länge der Zusammenarbeit erkennbaren Lieblingskünstlern wie REM, Metallica und Depeche Mode ist Anton Corbijn schon seit den 80er Jahren heimliches Bandmitglied. Seine Schwarzweiß-Fotos und sein visueller Stil haben aber auch bei vielen anderen Bands und Solokünstlern maßgeblich das Image und die öffentliche Wahrnehmung über die Musik hinaus geprägt.
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Buchrezension: Sport

03 Apr

Buchcover Sport

Olymiasieger im Freudentaumel und fußballspielende Kinder zwischen Trümmern. Das Buch „Sport“ von Emanuel Eckardt aus dem Verlag Becker Joest Volk zeigt, wie unglaublich vielseitig Sport ist und wie die Leidenschaft dafür Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Ich gehe soweit, zu behaupten: Es gibt kaum eine Sportart, die nicht im Buch gezeigt wird.
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Buchrezension: Wall

26 Nov

Der neue Fotoband „Wall: Israeli and Palestinian Landscapes“ des tschechischen Fotojournalisten und Magnum-Fotografen Josef Koudelka ist in vielfacher Hinsicht ein echtes Schwergewicht: Das Thema, die Bilder, das Format – nichts an diesem Buch ist einfach zu konsumieren. Aber gerade deswegen lohnt sich die Auseinandersetzung damit sehr.

In den Jahren von 2008 bis 2012 machte Josef Koudelka großformatige Panorama-Aufnahmen entlang der Grenze zwischen Israel und Palästina. Er fotografierte die 750 Kilometer lange „Wall“, verschiedene Grenzanlagen in Ost-Jerusalem, Hebron, Ramallah, Betlehem und in mehreren israelischen Siedlungen im Grenzbereich zu Palästina.

© Josef Koudelka

„Wall: Israeli and Palestinian Landscapes“ bündelt auf 120 Seiten eine Auswahl von 54 Fotografien aus diesen vier Jahren, die sich jeweils in hochkontrastigem Schwarzweiß über eine Doppelseite von 70 x 26 cm erstrecken.

Man sieht eingezäunte Straßen, massive Betonmauern, Stacheldraht, Militäranlagen, elektrische Zäune. Die Kette eines Panzer schlängelt sich über den Sandboden, Graffiti erzählen von Gewalt, Betonpfeiler stehen wie Denkmäler vor einer Hügelkette.

© Josef Koudelka

Überall sehen die Grenzanlagen anders aus, aber eines ist ihnen immer gemein: Sie wirken bedrückend, groß, massiv, abschreckend, vor allem die Mauer selbst, die sich in bis zu acht Metern Höhe durch die Landschaft schlängelt.

Die apokalyptischen Bilder einer fremdartigen, bedrohlichen Landschaft stellen Fragen nach dem Sinn von menschlichen Bauwerken im Allgemeinen, Fragen nach dem Umgang der Menschen miteinander, aber auch mit der Natur.

© Josef Koudelka

Kouldelkas Fotografien sind neutral, soweit das bei so einem Thema möglich ist, auf der Oberfläche scheinen sie nur dokumentarisch, aber es sind keine schönen Bilder. Er geht an die Grenze in ihren vielen Erscheinungsformen heran wie ein Journalist, aber es gelingt ihm durch das Breitbildformat und durch die Abbildung in schwarzweiß auch, eine ungeheuere Emotionalität und künstlerische Wucht in die Bilder zu legen, ohne dass Menschen auf ihnen zu sehen sind.

Man sucht als Betrachter nach Hinweisen von Leben in diesen Bildern, als wären sie Aufnahmen von einem fremden Planeten. Aber man findet neben den gewaltigen Bauwerken der Abgrenzung nur ein paar dürre Bäume und das an eine der Mauern gesprühte Bild eines jungen Mannes mit einer Maschinenpistole.

© Josef Koudelka

Eine Chronologie der geschichtlichen Ereignisse der Region ist vorangestellt, ein Glossar am Ende schließt das Buch ab und erklärt die politischen Kontexte und Zusammenhänge. Wenn man „Wall“ in Ruhe durchgesehen hat, fühlt man sich plötzlich sehr nah dran am Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Fazit: „Wall“ ist ein hochpolitisches, ein emotionales, beeindruckendes, sehr empfehlenswertes Buch, das definitiv nicht nur für an politischem Fotojournalismus interessierte Menschen eine Besonderheit ist.

„Wall“ von Josef Koudelka* ist als Hardcover-Ausgabe beim Verlag Prestel erschienen und umfasst 128 Seiten.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


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Buchrezension: Wie Bilder wirken

22 Aug

Wieder einer dieser unzähligen, unsäglichen Ratgeber, die Meisterhaftigkeit versprechen, in Wahrheit aber nur des Lesers Bestes wollen: Sein Geld? Um dann so schnell zu veralten, dass der Wald weint, dessen Bäume dieser Redundanz zum Opfer fallen?

Nun, dass wir dieses Buch schon zwei Mal in unserer Adventskalenderaktion verlost haben, will etwas heißen. Also schauen wir doch einmal, was sich unter seinem quadratischen Deckel verbirgt.

Wer den Blick durch den Schachtsucher auf die Mattscheibe einer 6×6-Mittelformatkamera kennt, versteht zunächst einmal die seichte visuelle Anspielung auf dem Cover. In fetten Lettern lesen wir spiegelverkehrt den Titel „Wie Bilder wirken“*.

Der Autor George Barr, Arzt und künstlerischer Fotograf in Personalunion, hat seine Bilder bereits mehrfach veröffentlicht und führt seit Langem einen Blog, in dem er über Fotografie schreibt und das Wissen weitergibt, das er sich über die Jahre angeeignet hat.

Mit diesem Buch geht es ihm aber nicht, wie man vermuten könnte, darum, mehr Augäpfel für seine eigenen Bilder zu gewinnen. Viel mehr hat er eine Sammlung von Bildern anderer Fotografen, die ihn selbst inspiriert haben, zusammengestellt und sich gewissermaßen auf kuratorisches Terrain begeben.

Wie Bilder wirken © George Barr

Wie Bilder wirken © George Barr

Jedes der 52 vorgestellten Fotos wird auf je einer Seite präsentiert und auf der gegenüberliegenden schildert Barr zunächst seine eigene Sichtweise und erläutert, was für ihn die Güte des Bildes ausmacht.

Auf der folgenden Doppelseite kommt dann der jeweilige Autor zu Wort und schildert in Ich-Form seine Sicht auf und Motivation für das präsentierte Bild, stellt sich anschließend mit einer kurzen Biografie vor und verrät, welche technischen Mittel er verwendet hat.

Im Folgenden nun eine kleine Auswahl der im Buch vorgestellten Bilder. Allen voran Joe Cornishs „Traigh Eias Barra“. Das Bild ist eine landschaftsfotografische Perle und eine kompositorische Wohltat, aufgenommen an einem schottischen Strand.

Wie Bilder wirken © George Barr

Mitch Dobrowners „Shiprock Storm“ zeigt die überwältigende Schönheit eines natürlichen Phänomens – eine Wolke scheint hier sanft auf dem schroffen Gipfel eines steilen Berges zu liegen.

Das Bild visualisiert durch die Nuancen in seinen Kontrasten und Tonwerten zwei sehr gegensätzliche Elemente in einem zarten symbiotischen Moment.

Wie Bilder wirken, George Barr

Kim Kauffmans „Fugue“ fasziniert dadurch, dass das Bild nicht eindeutig als ein Foto anmutet. Zu sehr scheinen hier die Grenzen zwischen Foto und Zeichnung zu verschwimmen.

In Wahrheit handelt es sich gewissermaßen um die zeitgenössische Interpretation eines Photogramms, einen kameralosen Direktscan gefalteter Papierbögen.

Wie Bilder wirken © George Barr

Gelungen finde ich, wie George Barr mit seiner Auswahl an vorgestellten Bildern ein weites Spektrum aufspannt, sowohl unter technischen Gesichtspunkten betrachtet als auch im Bezug auf ihre Genres – von Architektur und Stillleben über Portrait und Landschaft bis zu abstrakter Fotografie wie Konzeptionskunst ist alles vertreten.

Das Buch demonstriert die vielfältige Einsatzfähigkeit des Mediums Fotografie und die meisten der präsentierten Bildbeispiele sind in der Tat qualifiziertes Augenfutter.

Dazu kommt, dass man es nicht unbedingt linear durchlesen muss. Da es prima in visuelle Häppchen portioniert ist, lässt es sich auch ohne Weiteres bequem durcheinander lesen wie ein Blog.

Fazit: „Wie Bilder wirken“* ist also kein Nullachtfünfzehn-Ratgeber und kann jedem etwas geben, der qualitätvolle Inspiration für das eigene Schaffen sucht. Neu kostet das Buch 39,90 €.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


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Buchrezension: The Silence of Dogs in Cars

11 Mar

Es ist immer wieder erfreulich, wenn man mitbekommt, wie ein erfolgreich finanziertes Crowdfunding-Projekt auch in ein überaus ansprechendes Ergebnis umgesetzt wird.

Martin Usbornes „The Silence of Dogs in Cars“ ist ein Beispiel dafür. Das 2012 im Kehrer Verlag erschienene Buch wirkt in seinem gut hälftig mit grauem Stoff bespannten Hardcover klassisch schön.

Wie es der Titel des Buches bereits verrät, sind die Hauptdarsteller Hunde, genauer gesagt in Autos allein gelassene Hunde. Durchweg im Dunkeln und in der Dämmerung aufgenommen, haftet den Bildern eine traumgleiche, etwas bange Stimmung an.

The silence of dogs in cars | © Martin Usborne

Zuerst, so Usborne, habe er auf Parkplätzen vor Supermärkten nach eingeschlossenen Hunden Ausschau gehalten. Als diese Herangehensweise jedoch keine Früchte trug, verabschiedete er sich schnell von dem dokumentarischen Anspruch an die Arbeit.

Um die Bilder zu bekommen, die er suchte, beschloss der Fotograf, die Szenen zu arrangieren und speziell auszuleuchten. Daher der zuweilen filmische Charakter der Bilder, die vielleicht entfernt auch an die Szenen eines Gregory Crewdson erinnern.

Martin Usborne sagt selbst, die Frage, die er sich nach einem Foto immer stelle, sei nicht: Sieht es gut aus?, sondern Fühlt es sich richtig an?

The silence of dogs in cars | © Martin Usborne

Auf bestimmte Hunderassen kann man Klischees über ihre Besitzer projizieren. Mitunter lässt sich dem Hund selbst im besten Sinne gar so etwas wie eine Persönlichkeit unterstellen. Die Gemeinsamkeit zu Autos besteht hierbei darin, dass auch sie sich mitunter als charakterliche Projektionsfläche eignen.

Das subtile Zusammenspiel dieser beiden Elemente – Hund und Auto – ist etwas, das beim Betrachten der Bilder immer wieder auffällt.

The silence of dogs in cars | © Martin Usborne

Wie humorvoll das zuweilen sein kann, zeigt das Bild mit Greyhound „Maus“, der seinen stromlinienförmigen Kopf aufmerksam in Fahrtrichtung streckt.

Oder auch die Dalmatinerhündin „Margaux“, die ob ihrer Körpergröße auf dem Rücksitz eines Citroen 2CV etwas eingeklemmt wirkt und in ihrem Profil eine entfernte Ähnlichkeit zu dem des Autos erkennen lässt.

The silence of dogs in cars | © Martin Usborne

So schön diese Harmonisierung zwischen Hund und Fahrzeug ist, dient sie doch bloß als ästhetisches Mittel für die künstlerische Auseinandersetzung mit einem übergeordneten Thema: Der Angst des Alleingelassenwerdens.

Der Fotograf thematisiert mit dieser Arbeit ein Gefühl, das ihn in sehr jungen Jahren einmal beschäftigte, auch wenn er selbst in einer sehr liebevollen Atmosphäre aufgewachsen sei, so Usborne.

Die Angst, ausgesetzt oder verlassen zu werden, ist etwas, das für ein von der Fürsorge seiner Eltern abhängiges Kind sehr präsent sein kann.

The silence of dogs in cars | © Martin Usborne

Durch die lange gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund bis hin zu einer Form emotionaler Symbiose dienen diese Tiere seither natürlich als optimale Projektionsfläche für eine ganze Palette an menschlichen Gefühlsregungen.

Und wie gut das funktioniert, beweist einmal mehr dieses Buch.

„The Silence of Dogs in Cars“* ist im Kehrer Verlag erschienen, hat 120 Seiten und kostet neu 39,90 Euro.

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Buchrezension: Wald

20 Nov

Der Tag neigt sich seinem Ende zu. Der Herbst auch. Zwischen den hohen Stämmen ist es zwielichtig. Kalter Regen tropft ins Unterholz. Nicht eine Spur von auch nur einer Menschenseele.

Wie stark ist der Wald als mythischer Ort in unserer Kultur verankert? Kann man ihm die Bedeutung, die er einmal hatte, heute eigentlich noch beimessen?

Dies sind Fragen, die man sich stellen kann, wenn man sich die jüngste Arbeit des Fotografen Michael Lange anschaut.

Jedoch stellt man ziemlich schnell fest, dass er uns eigentlich nichts sagen oder zeigen will, der Wald. Er ist halt einfach da.

Und im besten Sinne ehrlich lakonisch sind Langes Fotografien von ihm. Doch es steckt auch noch etwas mehr in ihnen. Eine Art Meditation vielleicht.

Wie der Fotograf kürzlich selbst in einem Künstlergespräch mit dem Bildwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Schaden erzählte, habe er die Serie vor einiger Zeit als ganz persönliches Projekt begonnen.

Ein Jahr lang habe er niemandem von seinem Projekt erzählt, um das Thema ganz in Ruhe und nur mit sich selbst allein zu entwickeln.

Er lege Wert darauf, dass der Betrachter die Bilder nicht als dokumentarische Arbeit missverstehe. Es seien „einfach meine Bilder vom Wald“, so Lange.

Aufgeräumt wirken die Bilder und zugleich ungestellt. Ihre visuelle Struktur enthält eine kompromisslose Natürlichkeit ohne künstliche Brüche.

Die Art, wie sich in ihnen allein durch das subtile Wechselspiel von hellen und schattigen Partien räumliche Tiefe abzeichnet, zeugt von einer hohen ästhetischen Intelligenz.

Viel Detail steckt in Langes Waldbildern. Ein Reichtum, den der Fotograf durch die Verwendung eines digitalen Mittelformatsensors an einer Fachkamera erzielte.

Eine subtile Bewegungsunschärfe zeichnet sich ab, dort wo der Wind die Äste kitzelt. Sie gibt Aufschluss darüber, dass Lange jedes der Bilder einige Sekunden belichten musste, um der Dämmerung Zeichnung abzugewinnen.

In den Wäldern von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz fotografierte er, doch ist der eigentliche Ort irrelevant. Die Bilder beschreiben mit einer den Ort ignorierenden Selbstverständlichkeit das Phänomen Wald als einen Aspekt, in dem sich die Natur abbildet.

„Wald“* ist im Hatje-Cantz-Verlag erschienen, umfasst 72 Seiten und kostet neu 45 EUR.

Begleitend zum Buch ist auch die Ausstellung „Wald. Landschaften der Erinnerung“ sehenswert. Noch bis zum 23. Dezember werden Michael Langes großformatige Bilder im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie in der Niederlassung der Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin gezeigt.


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Buchrezension: State of the Union

08 Aug

„Das ist das Leben: Es ist der Zusammenprall deiner Ideen mit etwas, das du nicht steuern kannst und das explosiv sein kann.“ Mitch Epstein

Der Fotograf Mitch Epstein gewann 2010 mit seiner Serie „American Power“ den hoch dotierten Prix Pictet. Er arbeitet konzeptuell wie dokumentarisch, lässt sich jedoch ungern in eine bestimmte Kategorie pressen.

„State of the Union“ ist anlässlich der gleichnamigen Ausstellung erschienen, die von November 2010 bis Januar 2011 im Kunstmuseum Bonn stattfand. Das Buch ist eine Zusammenführung zweier Serien Epsteins: „Recreation. American Photographs 1977-1983“ und „American Power“.

Der erste Teil des Buches widmet sich der Recreation-Serie. Epstein beruft sich mit diesem Werk auf die Klassiker der amerikanischen Fotografiegeschichte wie Robert Franks The Americans, Walker Evans’ American Photographs und Robert Adams What We Bought. The New World.

Ein Bild der Serie wurde 1977 am West Side Highway in New York City aufgenommen. Die rechte Bildhälfte füllen die monumentalen Steuerzentralen der amerikanischen Wirtschaft. Mittig im Vordergrund ruht ein Mann mit freiem Oberkörper auf einer Liege vor seinem geparkten Wagen.

Das Konzept der Bilder ist die Untersuchung des amerikanichen Freizeitverhaltens. Es sind Bilder mit subtilem Witz, welche die amerikanische Nation und ihre eigene Identifizierung als solche beleuchten. Zugleich sind es aber auch nachdenklich stimmende Bilder, weil sie enthüllen wie das wohlstandaufrechterhaltungsgeplagte Individuum seine vorgefertigten Freiräume ausschöpft.

Der zweite Teil des Buches zeigt die Bilder der Serie „American Power“. Sie nimmt Bezug auf das Verlangen der amerikanischen Gesellschaft nach Größe, ist aber auch eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Einfluss des Menschen auf die Natur.

Ein besonders eindrückliches Bild der Serie zeigt im Vordergrund das Privatidyll der Mittelklasse – Einfamilienhäuser auf saftig grünem Rasen, kurz: Flächen konsumierender Siedlungsbrei. Die sich im Hintergrund abzeichnenden Kühltürme eines Kraftwerks erzeugen einen krassen maßstäblichen Gegensatz zu diesem vermeintlichen Idyll. Behäbig breiten sie sich in den diffusen Himmel aus und scheinen gleichgültig auf die weiß lackierte Rechtfertigung ihrer Existenz hinabzulächeln.

Eine weitere Doppelseite zeigt ein in der Landschaft liegendes Rohr – einen Teil der Trans-Alaska Öl-Pipeline. Abgesehen von dem lakonischen Humor, den das Bild transportiert, vermag es auch zu beunruhigen. Das Rohr wirkt wie eine Infusion in die Haut des Terrains, wie ein Fremdkörper, der in die Natur eingeführt wird und dann wie selbstverständlich mit ihr zusammenwächst.

Die Bilder der Serie „American Power“ zeigen mit einer irritierenden Selbstverständlichkeit, wie sehr der energiehungrige Mensch imstande ist, seine Umwelt zu verändern.

Im Gespräch mit Stefan Gronert am Ende des Buches sagt Mitch Epstein:

„Meine Bilder sind darauf angelegt, gelesen, nicht mit dem Blick gestreift zu werden. Ich bin froh wenn ein Bild von mir vieles auf einmal tut und jedes Mal frische, unerwartete Lesarten hergibt, wenn man sich ihm wieder zuwendet.“

Es ist fraglos lohnenswert sich diesen Bildern zuzuwenden. Mitch Epsteins State of the Union* ist im Hatje Cantz Verlag erschienen, hat 120 Seiten und kostet neu 39,80 Euro.

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Buchrezension: Public Private Hanoi

20 May

Public Private Hanoi

Heute möchte ich euch ein Fotobuch vorstellen, das mich sehr begeistert. Die Stadt, die es portraitiert, habe ich im vergangenen Herbst selbst kennen und mögen gelernt.
Die Fotos zeigen Szenen aus dem nächtlichen Hanoi und thematisieren den Umgang seiner Menschen mit dem öffentlichen Raum.

Es sind Szenen, wie sie sich in Gassen und Straßen, in Parks und am Ufer der Seen, in den Läden und Häusern allabendlich ereignen. Die Bilder sind eine Sequenz, eine Bewegung durch die Räume der Stadt. Sie veranschaulichen, wie sehr dort Privatheit und Öffentlichkeit miteinander verschmelzen.

Parallel zu André Lützens Bildern schafft ein Essay der Autorin und freien Journalistin Nora Luttmer mit Worten ein Portal in die Stimmungswelt dieser Stadt.

Public Private Hanoi | Seite 40 & 41

Die Straßen Hanois erscheinen wie Teile eines Bühnenbildes; seine Akteure sind die Bewohner der Stadt. Diese Momente des Spiels, des Handels und der Interaktion spiegeln sich in André Lützens Bildern wider. Mit dem Mittel der Straßenfotografie erzählt er kleine Alltagsgeschichten, erzeugt aus Details und Fragmenten Stimmungen, immer mit einem Sinn für den individuellen Charakter der Stadt.

Eine Besonderheit der vietnamesischen Kultur ist die tiefe Verwurzelung von Handel im Alltag. Nahezu jedes Haus hat einen Verkaufsraum oder mindestens einen kleinen Tresen zur Straße.

Einige Bilder des Buches zeigen immer wieder diese wunderbaren Mikrokosmen – kleine Welten im bunten Reichtum der Gemischtwaren. In Wirklichkeit sind dies aber weit mehr als nur dem Handel vorbehaltene Räume. Sie sind Lebensräume.

Public Private Hanoi | Seite 29

Eines der Bilder zeigt die Perspektive über einen Tresen hinein in einen dieser Räume. Man fühlt sich beinahe voyeuristisch, als blickte man heimlich in eine private Welt. Unscharf im Hintergrund sitzt abgewandt von der Kamera eine junge Frau – vermutlich die Verkäuferin – während sich im Vordergrund ein Stubentiger über den feilgebotenen Waren ausbreitet. Hier spürt man förmlich, wie die schwüle Luft auf die abendlichen Straßen der Stadt drückt.

In den Straßen und auf den Plätzen, auf denen tagsüber der Verkehr durchrauscht, scheinen am Abend ganze Scharen von Essständen aus dem Nichts zu wachsen.

Public Private Hanoi | Seite 84

Eins der faszinierendsten Bilder des Buches zeigt eine Szenerie, wie sie surrealer kaum sein könnte. Ein paar Herren sitzen in kleinen Gruppen auf Plastikstühlen an Tischen und genießen im Schein der Straßenlaternen gemeinsam in entspannter Runde Hanoi Bier und Zigaretten.

An sich nichts Außergewöhnliches, wenn da nicht die Betontrasse der Schnellstraße wäre, die sich aus dem Hintergrund kommend monströs über ihre Köpfe erhebt und träge die dunkle Hälfte des Bildes ausfüllt.

Public Private Hanoi* ist meine Empfehlung für alle, die sich ein Stück Leben ins Bücherregal holen möchten – für alle, die Neugier nach der Fremde haben und Vertrautheit in der Ferne suchen. Das Buch ist im Kehrer Verlag erschienen und kostet neu 40,- Euro.

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