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After-Wedding-Shooting

06 Feb

Ein Beitrag von: Florian Weiler

Auch Hochzeitsfotografen heiraten mal. Jedenfalls einige und so auch ich. Unwillkürlich schoss mir die Frage durch den Kopf, ob ich meine eigene Hochzeit wohl selbst fotografieren könnte. Zugegebenermaßen eine ziemlich dumme Idee, wenn man länger als zwei Sekunden darüber nachdenkt.

Und so verwarf ich den Gedanken, einen fotografischen Beitrag zu meiner Hochzeit zu leisten, bis Julia eines Morgens klagte, wie schade es doch sei, dass sie ihr schönes Hochzeitskleid nur einmal in ihrem Leben tragen könne.

Das ist sicherlich ein Gedanke, den sie mit jenen Brautpaaren teilt, die sich für ein After-Wedding-Shooting entscheiden – also nach der Hochzeit noch einmal in Kleid und Anzug schlüpfen, um in aller Ruhe an einem besonderen Ort außergewöhnliche Bilder entstehen zu lassen.

Julia entschied sich für Hamburg und ich nutzte die Chance, mich hinter die Kamera zu stehlen – so verwandelte sich das klassische Paarshooting in ein reines Brautshooting.

Unser erstes Bild entstand kurz nach dem Styling im 25hours Hotel, in dem wir die Nacht zuvor verbracht hatten. Ein Fadenvorhang diente uns hier als Requisite und half, ein sehr weiches Licht entstehen zu lassen. Dazu gesellte sich eine extrem geringe Tiefenschärfe durch das Objektiv mit f/1.4 85mm, das ich für diese Aufnahme nutzet. Dadurch wird der Blick des Betrachters unweigerlich auf die extravaganten Wimpern gelenkt, die Julia sich für dieses Shooting ausgesucht hatte.

Was dieses von Ruhe geprägte Bild jedoch nicht verrät, sind die Wassermassen, die während der Aufnahmen am Fenster vorbeirauschten und die Windböen, die unerbittlich dagegen donnerten. Und so fiel unser Plan, die wunderschöne Hamburger Speicherstadt und den alten Hafen als Fotokulisse für unser Brautshooting zu nutzen, mehr als nur sprichwörtlich ins Wasser.

Doch wir hatten den weiten Weg nach Hamburg nicht ohne einen Plan B auf uns genommen: Eine Indoor-Location, in der wir uns für die kommende Nacht einquartiert hatten, das Design-Hotel „Gastwerk“. Das liebevoll restaurierte und sehr stylish eingerichtete Backsteingebäude kannten wir schon von früheren Hamburgreisen, wenn auch nur vom Cocktailsschlürfen.

Im Hotel besorgten wir uns an der Rezeption zunächst die Genehmigung zum Fotografieren – ein wichtiger Punkt, den man nicht auslassen sollte! Da unser Zimmer noch nicht fertig war, schauten wir uns erst einmal in aller Ruhe um.

Mein besonderes Augenmerk galt dem vorhandenen Licht, da ich auf den Einsatz von Blitzgeräten jeglicher Art verzichten wollte – zum einen, um die anderen Hotelgäste nicht unnötig zu stören, um nicht übermäßig Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, zum anderen hatte ich einfach keine Lust, Unmengen an Ausrüstung durch das Hotel zu schleppen. Es war schließlich unser freies Wochenende und sollte nicht in Arbeit ausarten.

Als Julia am späten Nachmittag dann endlich im Kleid steckte, starteten wir unser Shooting im Eingangsbereich des Hotels. In meiner Tasche lediglich ein 2,8/24-70 und ein 1,4/85 und an der Kamera ein 2,8/70-200. Neben der Tür stand eine rote Ledercouch, beleuchtet von einer überdimensionalen Stehlampe und ein klein wenig restlichem Tageslicht, das sich durch die dicke Wolkendecke und zwei schmale Fenster ins Innere des Hotels kämpfte.

Der Bildausschnitt stand für mich sehr schnell fest: Fenster und Lampe sollten im Bild zu sehen sein, da ich die Quellen des Mischlichtes einbinden wollte. Variiert haben wir dann lediglich Julias Pose, die Position der Stehlampe und ihre Lichtintensität. Zum Glück war das Ding dimmbar, ansonsten wäre die Beleuchtung doch recht unausgewogen geworden.

Im Großen und Ganzen ähnelte die Szene einer einfachen „Studiobeleuchtung“ mit einer großen Softbox auf der linken Seite, ein wenig Aufhelllicht aus dem Eingangsbereich und einem mobilen Spot, den man zum Beispiel als Haarlicht einsetzten kann. Wir spielten verschiedene Varianten durch, wobei mir die hier gezeigte am besten gefällt. Tageslicht und Licht der Stehlampe zu einem großen Hauptlicht kombiniert. Den Winkel der Lampe hatte ich dabei so gewählt, dass ein deutlicher Farbgradient auf dem Kleid, aber nicht auf Julias Oberkörper entstand.

Auch im nächsten Bild haben wir vorhandene, aber ganz unterschiedliche Lichtquellen einbezogen. Es entstand recht spontan auf dem Weg zum Aufzug, als mir das Zusammenspiel aus blauem Abendlicht, dem grünem Neonlicht des Aufzuges und der recht gelben Deckenbeleuchtung auffiel, unter der wir standen. Julia brauchte nur fix ihren Kopf in den Nacken zu strecken, damit ihr Gesicht gleichförmig beleuchtet war und dann war das Bild auch schon im Kasten.

Die Bilder danach im Aufzug waren dagegen in keiner Weise spontan. Die hochglanzpolierten Wände waren mir schon beim ersten Streifzug durchs Hotel aufgefallen und schrien geradezu danach, als Kulisse dienen zu dürfen. Einzig das Licht war alles andere als ideal. Die Neonröhren warfen ein intensiv grünes Licht recht gleichförmig von der Decke in den kleinen Raum, in dem es vielfach an den Wänden reflektiert wurde, was Julia in ein sehr kontrast- und spektralarmes Licht tauchte.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme war ich überzeugt, dass sich die Bilder lediglich mit einer Konvertierung in schwarzweiß „retten“ lassen. Ein paar Klicks in Lightroom brachten dann aber doch unter all dem Grün einige Hauttöne zum Vorschein. Also investierte ich noch etwas Zeit in Photoshop und schließlich waren auch die Kontraste, zumindest vom ersten Bild, auf einem Niveau, das mir zusagte.

Zweifellos hätten die Bilder im Fahrstuhl vom Einsatz zusätzlicher Lichtquellen profitiert, denn die Bildqualität hat durch die intensive Nachbearbeitung schon ein wenig gelitten.

Einfachere Lichtverhältnisse und eine wunderschöne Kulisse fanden wir dann in der kleinen Bibliothek mit ihrer dunkelbraunen Couch, der olivgrünen Wand, dem gut gefüllten Bücherregal und den beiden messingfarbenen Stehlampen. Letztere dienten uns mehr oder weniger als einzige Lichtquellen in den beiden folgenden Bildern.

Links oben im ersten Bild ist das Hauptlicht zu sehen, in das Julia direkt hineinblickte. Bei einer 40-Watt-Glühbirne ist das aus der Entfernung durchaus für ein paar Sekunden machbar, ohne die Augen zusammenzukneifen, mit einer 200-Watt-Studioleuchte sollte man das aber besser nicht ausprobieren. Die andere Lampe stand weiter rechts, beleuchtete den Hintergrund und diente zusätzlich als Aufhelllicht.

Mein Lieblingsbild des Abends entstand ein paar Sekunden später unter den gleichen Lichtbedingungen, aber durch das Fenster der Bibliothek fotografiert. Die Reflexionen der Lampen des Nebenraums fügen sich hier meines Erachtens sehr harmonisch ins Gesamtbild ein und füllen es zusätzlich mit Wärme.

Eine ganz andere Lichtstimmung, kühl und nüchtern, herrschte direkt vor unserem Hotelzimmer im Treppenhaus. Und so legten wir noch einen letzten Fotostopp ein, bevor wir in unserer Suite verschwanden.

Alle folgenden Bilder entstanden dann im Zimmer, wo neben der Raumbeleuchtung noch ein bis zwei Striplights zum Einsatz kamen, die lediglich mit Aufsteckblitzen bestückt waren. Außerhalb des Studios arbeite ich lieber mit kleinen batteriebetriebenen Blitzen. Sie sind leicht und aufgrund des fehlenden Stromkabels sehr mobil einsetzbar. In den beiden folgenden Bildern zum Beispiel steckt eines der Striplights in der Fensternische und beleuchtet dabei Julias schmale Gesichtshälfte und einen Großteil des Kleides.

Ein weiterer Vorteil von Aufsteckblitzen ist, dass sich ihre Intensität gut von der Kamera aus regeln lässt, sei es mit zusätzlichem Funksystem wie dem von Pocketwizard oder auch via CLS, wie es bei Nikon heißt.

Wichtig beim Umgang mit Blitzen, insbesondere in Innenräumen, ist für mich, dass man nicht sofort merkt, dass sie zur Ausleuchtung eingesetzt wurden. Also muss ein Farbangleich an die Raumbeleuchtung her. Bei der gegebenen Lichtsituation habe ich zwei Orange-Folien pro Blitz verwendet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ruhig etwas überkompensieren kann. Ein Blitz mit etwas zu warmemem Licht fällt weniger auf als einer mit noch recht kaltem Licht – insbesondere, wenn Teile der Raumbeleuchtung im Bild zu sehen sind.

Bei den letzten drei Aufnahmen galt es noch einmal, unseren zweiten Hauptakteur, das Kleid, ins rechte Licht zu rücken. Dabei kann Streiflicht oder zumindest eine nicht allzu weiche Ausleuchtung von der Seite recht hilfreich sein, um die Struktur des Kleides, das Schimmern der Pailletten und das Glitzern der Steinchen voll zur Geltung zu bringen.

Bei den nächsten zwei Bildern habe ich zusätzlichen Glanz in den fließenden Stoff gebracht, indem ich sie in schwarzweiß konvertiert und anschließend die lokalen Kontraste verstärkt habe. Mir geht’s da wie sicherlich den meisten: Bei Schwarzweiß-Bildern toleriere ich stark erhöhte Mikrokontraste sehr viel eher als bei ihren farbigen Varianten. Wie weit man dabei geht, ist natürlich reine Geschmackssache.

Das Licht mit Hilfe von Blitzen gezielt setzen zu können, ist immer ein großer Vorteil. Die Bilder in der Suite profitieren aber hauptsächlich davon, dass wir hier viel intimer arbeiten konnten als vorher in der Lobby, wo Julia mit ihrem extravaganten Outfit einige Aufmerksamkeit auf sich zog.

Und so konnten wir in aller Ruhe bei unserer Lieblingsmusik und einem Gläschen Wein den Fotoabend ausklingen lassen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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