Sizilien, zugleich größte Mittelmeerinsel und autonome Region Italiens, zählt zu den einkommensschwächsten Gegenden Europas. Landwirtschaft und Ölindustrie sind die Wirtschaftszweige, die eine Handvoll Arbeitsplätze schaffen. Es sind jedoch nur wenige im Verhältnis zur arbeitsfähigen Gesamtbevölkerung.
Eine willkommene und für viele entscheidende Einnahmequelle bietet deshalb der Tourismus. In der Hochsaison, während der Monate um die Mitte des Jahres, verwandeln sich die sonnigen Küsten Siziliens in Kondensationspunkte zahlender Besucher.
Mehr jedoch wie eine ganze Infrastruktur dieses Spiel bedient, zeigt sich erst in der Nebensaison, wenn die touristischen Brennpunkte auskühlen, die Zielgruppe abwesend ist und eine lethargische Stille über der Insel liegt.
In der Stille schwingt mit, was dort stattgefunden hat und Jahr für Jahr wieder sein wird. Die Spuren des Vergangenen bleiben sichtbar.
Es enstehen unspektakuläre Zwischenstadien, Momente eines bestimmungslosen Nochnichtseins der weder ganz ab- noch vollständig wieder aufgebauten Kulissen des allsommerlichen Spektakels.







Ich hatte im Frühjahr 2012 die Gelegenheit, in Sizilien viele solcher liegengelassenen Liegenschaften zu fotografieren. Während ich diese Serie von Bildern erstellte, gefiel mir die Stille und wie sich diese Orte unter ihr zu entspannen schienen.
Und auch, wenn der Vorfrühling in Sizilien kühl ist und der Etna an seinen höchsten Stellen noch vor Tiefschnee strotzt, so tut es doch auch schon zu dieser Jahreszeit gut, ein bisschen am mediterranen Lebensgefühl zu schnuppern.
Die Nebensaison ist übrigens auch ein guter Zeitpunkt, um ein in Italien sehr beliebtes soziales Ritual zu beobachten oder an ihm teilzunehmen – la Passegiata.

Vom späten Nachmittag bis zum frühen Abend, zur italienischsten Zeit des Tages, wird dann kollektiv über öffentliche Plätze promeniert und entlang der Promenaden geschlendert, was das Zeug hält.
Dass es sich dabei um weit mehr handelt, als bloß um einen Spaziergang, zeigt sich darin, wie dabei kommuniziert wird. Einerseits optisch herausgeputzt und gemäß der Maxime: Sehen und gesehen werden. Andererseits trifft man sich ungezwungen und redet untereinander und miteinander übereinander.
Und das ist wirklich ein großartiges Schauspiel!
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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