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Posts Tagged ‘Zauber’

Vom Zauber Rhöner Nächte

29 Jul

Ein Beitrag von: Jürgen Hüfner

Der Tag neigt sich dem Ende, die Sonne geht unter. Zeit, nach Hause zu gehen – oder? Doch genau dann, wenn viele die Kamera einpacken und genau das tun, bin ich oft erst losgezogen, um fotografisch tätig zu werden. Dies ist die Geschichte meiner zahlreichen nächtlichen Fotostreifzüge, die ich bisher erleben durfte, in dem „Land der offenen Fernen“, wie man das Mittelgebirge in Deutschlands Mitte am Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen auch nennt.

Ich blicke mittlerweile auf gut 15 Jahre Nachtfotografie zurück und habe dabei so einiges erlebt. Doch beginnen wir von vorn, denn alles begann mit einem besonderen Bild.

Ein Baum, der vom hinten beleuchtet wurde und rot strahlt.

Es dürfte Ende der 90er Jahre gewesen sein, als ich mit meiner Nikon F 70, bestückt mit Diafilm, erstmals mit einem Freund auf nächtliche Fotopirsch ging. Ich hatte dabei ein bestimmtes Motiv und eine Idee im Kopf. Die tausendjährige Eiche von Reith bei Nacht mit Feuer zu beleuchten, war geplant.

Nach getaner Arbeit und dem Entwickeln des Films hat mich das Ergebnis beinahe umgehauen und führte dazu, dass ich von nun an gezielt die ohnehin bei mir als Motiv beliebten Rhönbäume bei Nacht aufsuchte und entsprechend inszenierte.

Eine Buche bei Nacht und im Schnee, von hinten beleuchtet.

Lichtmalerei

Dort, wo Licht fehlte, brachte ich meine eigene Lichtquellen mit ins Spiel. Fackeln, Taschenlampen, Kerzen un sowas. Das wohl kurioseste Gerät war ein modifizierter, ausgebauter Autoscheinwerfer, der von einer Motorradbatterie im Rucksack mit Strom versorgt wurde und mir die Möglichkeit bot, wahlweise Fern- oder Abblendlicht einzusetzen.

Mit einem solchen Strahler bewaffnet, ließen sich nun auch große Objekte nachts in Szene setzen. Das Monument der Steinwand in der Rhön ist so ein Beispiel.

Eine Wand aus Steinen in der Nacht, beleuchtet.

Nachdem die LED-Technik ihren Einzug hielt und unglaublich leuchtstarke Taschenlampen hervorbrachte, wurde dieses Handwerk glücklicherweise etwas weniger anstrengend. Ganz ausrangieren möchte ich meinen alten Autoscheinwerfer aber noch nicht, dafür gefällt mir die warme Farbtemperatur einfach zu gut gegenüber dem sehr kalten Licht der LEDs.

Polarlichtnacht auf der Wasserkuppe

Ein absolutes Highlight trug sich 2003 zu. Es war ein Jahr mit starker Polarlichtaktivität und so hatte ich am 21. November des Jahres das große Glück, eines der stärksten Polarlichter der letzten Jahrzehnte live mitzuerleben und zu fotografieren.

Und das noch vor der Kulisse des Fliegerdenkmals auf der Wasserkuppe, während das ganze Land unter mir im Hochnebel versunken lag. Ein einzigartiges Erlebnis.

Ein Vogel auf einem Felsen, umgeben von sehr rotem Licht. Nachtaufnahme.

Viele Nächte habe ich mir seitdem um die Ohren geschlagen, mich dabei oft in den warmen Schlafsack gekuschelt, während die Kamera ihre Arbeit tat und die Bahnen der Sterne einfing. Dabei kam es durchaus vor, dass in einer ganzen Nacht nur ein einziges Foto entstand.

Eine Langzeitaufnahme von Sternen über einem nebelverhangenen Gebirge.

Digitale Revolution

Die rasch fortschreitende Kameratechnologie hatte zwischenzeitlich gute Digitalkameras hervorgebracht, so dass ich irgendwann umstieg und so völlig neue Möglichkeiten entdeckte. Die Evolution des Rauschverhaltens bei immer höher kletternder Lichtempfindlichkeit der Sensoren hat der Nachtfotografie dabei sicher noch einen großen Anschub gegeben.

Und so habe ich nach und nach die vielen Gesichter Rhöner Nächte kennengelernt, die mein Leben um so vieles reicher gemacht haben:

Da gab es die Mondnächte, in denen der Hochnebel das Tal flutete und überall dort farbig glühte, wo sich Ortschaften darunter befanden. Eiskalte Winternächte mit bizarren Raureif-Figuren, die im Mondlicht glänzten, umgeben von Schneeverwehungen, die einen bis zur Hüfte verschlingen konnten. Schwülwarme Sommernächte mit blitzreichen Hitzegewittern, die sich krachend entluden, manchmal beinahe im Sekundentakt.

Eine Landschaft, vernebelt, im Vordergrund Bäume und darüber der Mond.

Ein Blitz schlägt in eine Landschaft ein.

Ein Monduntergang im Schwarzen Moor, der sich im Moorauge spiegelt, nachtleuchtende Wolken über den Rhöner Bergen oder Sturmnächte mit schnell ziehenden Wolken – all diese Erlebnisse habe ich fotografisch eingefangen und nun, ganz aktuell, auch in Buchform gebracht und damit auch für andere erlebbar gemacht.

Das Buch „Rhönglühen“ ist im Eigenverlag erschienen und kann über die zugehörige Webseite und in lokalen Rhöner Buchhandlungen erworben werden.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Der Zauber von Nassplatten

23 Jul

Ein Beitrag von: Susanne Schug

Ich bin eigentlich überhaupt kein „Preisrätsel-Mensch“. Umso größer war dann die Freude über die Benachrichtigung am 8. Dezember – dem 29. Geburtstag meiner Tochter – dass ich ein Adventskalendertürchen hier auf kwerfeldein gewonnen hatte. Und dann war es auch noch das Nassplattenportrait – ein Unikat. Spontan kam mir der Gedanke an ein Mutter-Tochter-Portrait als zusätzliches Geschenk und so freuten wir uns gemeinsam auf Berlin.

In der Woche nach Pfingsten war es dann soweit. Wir trafen Daniel Samanns in seinem Atelier in Kreuzberg, wo es wunderbar nach Dunkelkammer roch – vertraut und doch irgendwie anders. Wir sahen ihm zu, wie er Glasplatten für die spätere Belichtung vorbereitete. „Auf die kommt eine zuvor angesetzte Lösung aus Schießbaumwolle gelöst in Ether“, erzählte er uns.

Das Bild liegt im Wasser.

All die ruhigen, konzentrierten Handlungen der Vorbereitung, Daniels Erzählungen, unser Kennenlernen – eine Art Ritual, das uns die Aufgeregtheit nahm und eine Art Sicherheit gab, vor der Kamera Haltung einzunehmen. Wir wussten inzwischen, dass die Belichtung zehn Sekunden dauern würde und dann standen wir endlich, Wange an Wange. Die Zeit des Stillhaltens fühlt sich würdig an, dann kommt die Entspannung – Spot aus.

Jemand hält ein flaues Negativ in die Kamera.

Daniel verschwindet kurz hinter einem schwarzen Tuch, für die Entwicklung, die nur sehr kurz dauert. Was wir dann sehen, ähnelt einem flauen Negativ. Das eigentlich Spannende passiert anschließend im Fixierbad. Ganz langsam verändern sich die Tonwerte, Milchiges wird zu echten Kontrasten. Dennoch wirkt es anders im Vergleich zu dem, was sonst auf einem Papierabzug zu sehen ist.

In verschiedenen Schalen liegen Bilder.Das fertige Portrait.

Wir erfahren, dass es eigentlich auch kein echtes Positiv ist, sondern nur so wirkt. Die Glasplatte ist von hinten schwarz beschichtet. Ein Trick, durch den aus einem Negativ ein Scheinpositiv wird. Und man sieht sich seitenverkehrt, also wie man sein eigenes Spiegelbild gewöhnt ist – vertraut sozusagen.

Im Internet gibt es eine gute Beschreibungen des Verfahrens, aber es zu erleben, ist jedoch viel mehr, als nur die Technik zu verstehen. Ich selbst kenne die Arbeit in der Dunkelkammer und habe über viele Jahre in meiner „Küchendunkelkammer“ die Nacht zum Tag gemacht, am liebsten mit DDR-Restbeständen von ORWO- und Argenta-Barytkarton. Es ist immer ein besonderer Moment, wenn man zuschauen kann, wie ein Bild entsteht, dennoch ist diese Nassplattentechnik unvergleichlich anders.

EEin Blick durch die Kamera.Ein Portrait-Foto in einer Schale.

Als nun – im wirklich heißen Berlin – die erste Aufnahme im Wasserbad lag, mussten wir sie immer wieder anschauen. Das Ergebnis faszinierte uns und zog uns magisch an. Wir hatten alle Lust auf mehr. Letztendlich machten wir noch zwei Mutter-Tochter-Aufnahmen und Daniel bot an, uns auch noch einzeln zu portraitieren. Dabei konnten wir ihn abwechselnd auch bei der Arbeit hinter der Kamera beobachten und das wunderschöne Bild auf der Mattscheibe sehen.

Im Nachhinein kann ich sagen: Es ist mir noch nie so leicht gefallen, zu posieren. Vielleicht liegt das an der totalen Entschleunigung bei dieser Art der Fotografie – jedes Portrait dauert etwa eine Stunde und zu beobachten wie das Bild entsteht, ist wirklich magisch.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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