RSS
 

Posts Tagged ‘WacomAktion’

Der zweite Platz unserer Wacom-Aktion

10 Sep

Ein Beitrag von: Philipp Arnold

Philipp Arnold hat mit seiner Serie „Photon“ bei unserer Aktion mit Wacom den zweiten Platz erreicht. Und da es viel zu schade wäre, diese tolle Arbeit in der Schublade verschwinden zu lassen, haben wir uns entschlossen auch sie auf Kwerfeldein zu zeigen.

Den ersten Platz bei unserer Aktion gewann Charlotte Grimm. Ihren Bericht findet Ihr hier. Im Folgenden berichtet nun auch Philipp von der Entstehung seiner Fotoarbeit.

Eine leuchtende Kugel im Gestrüpp.

„Persönliches Neuland betreten, etwas ausprobieren“ und „die üblichen Grenzen der Fotografie sprengen“, hieß es im Wettbewerbsaufruf. Witzigerweise hat bei mir alles völlig ohne Kamera angefangen; ich arbeitete zunächst mehr mit 3D Renderings und Photoshop.

Seitdem bewege ich mich mit meiner Fotografie aber recht konsequent in die entgegengesetzte Richtung. Die ganzen Werkzeuge und Medien verlieren stetig an Bedeutung, wenn ich fotografiere. Ich beschränke mich immer mehr allein auf die Möglichkeiten meiner Kamera. Diese Konsequenz will ich nicht unterbrechen, sondern weiter voran bringen.

Leuchtende Kugeln zwischen Bäumen.

Ein durchdachtes, ein geplantes Konzept umzusetzen, nicht mehr nur loszuziehen und einfach zu machen. Orte gezielt aussuchen, das Bild planen und die dazu passende Technik einpacken. Natürlich entwickelt sich ein Konzept im Laufe der Arbeit immer noch weiter, aber das war für mich schonmal ein großer Schritt nach vorn.

Hier in Kaiserslautern umgibt uns der Wald. Mit den Hunden bin ich jeden Tag dort. Jetzt wollte ich ihn auch mal in meinen Fotos einsetzen. Als mir dann noch ein Papierlampion quasi über den Weg rollte, stand meine Grundidee fest: ich wollte leuchtende Kugeln im Wald fotografieren.

Leuchtende Kugeln auf dem Waldboden verteilt.

Das Umgebungslicht sollte sich mit dem Kunstlicht mischen und eine unnatürliche Lichtsituation schaffen. Eigenartig und mystisch, aber nicht bedrohlich, sollte es sein. Im Laufe der Zeit spann ich die Idee immer weiter und versuchte eine Geschichte oder, nennen wir es vielleicht einen Handlungsbogen, für den Betrachter zu finden.

Die entstandenen Bilder zeigen nun leuchtende Sphären auf dem Boden, die aussehen, wie heruntergefallene Früchte. Fremd und doch vertraut wirken sie, wie sie da zwischen Blättern, Gras und Heidelbeeren liegen.

Leuchtende Kugeln bilden einen Pfad.

Dann werden daraus kleine Spuren, Pfade. Wie Fußabdrücke reihen sie sich aneinander und laden uns ein ihnen durch die Bäume zu folgen, als wollte der Wald uns etwas zeigen, uns ein Geheimnis offenbaren.

Wir folgen dem Pfad, an dessen Ende die Lösung wartet. An den Stämmen und zwischen den Wurzeln wild wachsender Bäume entsteht Licht. Es sammelt sich, wie Tau auf Blättern, zwischen den Stämmen und in den Hohlräumen bis diese überlaufen und es vom Baum herunterfließt oder abtropft.

Leuchtende Kugeln zwischen Baumgabeln.

Neben Papierlampions in verschiedenen Größen brauchte ich Licht, Licht und nochmals Licht. Da ich vor Ort natürlich keinen Strom haben würde und auch kein kleines Vermögen ausgeben konnte, stöberte ich auf ebay nach Blitzgeräten aus analogen Zeiten. Diese lassen sich zwar nicht regeln, noch bieten sie sonst irgendwelchen technischen Komfort, doch sie blitzen und das sollte genügen. Bis ich alle ersteigert hatte und sie eingetrudelt waren, verging etwas Zeit.

Für die erste Aufnahme verteilte ich sieben Lampions im Bild, hatte aber nur vier Blitze. So musste ich nach dem ersten Foto schnell drei Geräte umbauen bevor sich das Umgebungslicht wieder änderte.

Die Aufnahmen überbledete ich dann in Photoshop per Maske und Pinsel. Ansonsten beschränkte sich die Nachbearbeitung auf Lightroom. Ich passte die Tonwerte an, stellte die Lichter schön warm und die Schatten ein bisschen kühler, bog die Gradationskurve noch etwas zurecht, wendete die Objektivkorrektur an – fertig.

Leuchtende Kugeln in einer Baumgabel.

Neben den Blitzgeräten verwendete ich noch ein entsprechendes Sortiment an Funkauslösern und Akkus, außerdem Tüten, um die Geräte vor Feuchtigkeit zu schützen, sowie etwas Werkzeug zum Aufräumen und Befestigen.

Glücklicherweise ließen sich die Lampions auch ohne Hammer, Nägel und Zange gut in Position bringen, sodass ich etwas Gewicht sparen konnte. Dafür war ich wirklich sehr dankbar, denn ich musste ein schönes Stück laufen, um zu dem Ort meiner Wahl zu gelangen.

Das nötige Equipment für die Fotoserie.

Nicht zu vergessen das „Übliche“: Kamera und Stativ. Beim Objektiv entschied ich mich für eine 35mm Festbrennweite. Damit das Bild noch etwas mehr Räumlichkeit bekommt als bei 50mm oder einem leichten Teleobjektiv. Außerdem kam mir die hohe Lichtstärke am Abend sehr entgegen und natürlich die Freistellungsmöglichkeiten um den Hintergrund gegebenenfalls etwas zu beruhigen. Für alle Fälle hatte ich aber auch noch mein Standardzoomobjektiv dabei.

Dieser Wettbewerb war genau die Motivation, die ich brauchte um all die Schritte in Angriff zu nehmen. Im Rahmen der Zeit kreativ mit dem umzugehen, was ich hatte, war die Herausforderung, der ich mich gestellt habe.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Der zweite Platz unserer Wacom-Aktion

Posted in Equipment

 

Die Gewinnerin unserer Wacom-Aktion

06 Sep

Ein Beitrag von: Charlotte Grimm

Am ersten Juli hatten wir zu einer großen Aktion gemeinsam mit Wacom aufgerufen. Für die Chance das Grafiktablett „Wacom Cintiq Companion“ zu gewinnen, solltet Ihr die Grenzen der Fotografie durchbrechen, kreativ werden und ein neues Projekt umsetzen.

Dass das Ganze sehr anspruchsvoll war, zeigte auch die geringe Beteiligung. Am Ende hatten wir nur sechs gültige Einreichungen, in die dafür aber sichtlich viel Arbeit und Leidenschaft hinein geflossen waren.

Wir freuen uns sehr, heute die Gewinnerserie „Satyros“ von Charlotte Grimm zu präsentieren. Sie hat mit ihrer herausragenden Arbeit eine Gesamtpunktzahl von 271 von 320 möglichen Punkten erreicht und darf sich nun über das tolle Wacom Cintiq Companion freuen.

Im Folgenden berichtet Euch Charlotte selbst von der Entstehung ihrer Serie, in der sie Fotografie, Malerei und Zeichnung miteinander verschmelzen ließ.

Drei Bilder auf der Staffelei voller Farbe.

Der Songtext (und seine Übersetzung) von Fauns „Satyros“, inspirierte mich maßgeblich zu dieser Serie. Das Stück gibt alten Mythen eine musikalische Form. Über Nymphen und Satyrn und ihre Bindung zueinander, gibt es viele Geschichten. Mich faszinieren in meinen Bilderwelten Mythen, Märchen und die Natur ganz besonders. Also lag es nicht fern, mich endlich an einer Umsetzung des Themas zu versuchen.

Es war klar, dass ich Gehörn und Ziegenbein nicht mit Tricksereien zaubern wollte. Durch meine Vergangenheit als Malerin – die Fotografie begleitet mich erst seit Anfang 2013 – sah ich in dem Thema eine hervorragende Chance, meine eingestaubte Staffelei wieder hervor zu holen und so meine beiden Leidenschaften miteinander zu verbinden.

Eine hervorragende Gelegenheit, zwei wundervolle, talentierte Modelle für meinen Plan zu finden, bot mir ein Flickr-Meetup mit 33 anderen Fotografen im Bayrischen Wald. Ich schleppte meine beiden Auserkorenen also am vorletzten Tag samt eines Töpfchens weißer Farbe und meines selbstgemachten Lendenschurzes in ein nahegelegenes Waldstück und führte sie, nachdem ich und sie begeistert mit der Farbe aufeinander herum gemalt hatten, in meine Ideen ein und bat sie, sich in die jeweiligen Rollen zu versetzen.

Bild auf der StaffeleiBild auf der Staffelei

Ich wollte nicht viele aktive Anweisungen machen, sondern die beiden möglichst natürlich miteinander interagieren lassen, sodass die gesamte Szenerie so ungestellt wie nur möglich wirkte. Glücklicherweise harmonierten Sam und Nikolas hervorragend miteinander, sodass mein Ausgangsmaterial bereits vielversprechend war.

Mein nächster Schritt bestand darin, die Bilder in annehmbarer Größe drucken zu lassen, um manuell auf ihnen arbeiten zu können. Aus Geldgründen überlegte ich zunächst, schlichtes mattes Fotopapier zu wählen. Nach einem Test auf kleineren Abzügen war ich dann allerdings schnell der Meinung, dass Hahnemühle-Papier doch deutlich besser dazu geeignet war, allein schon der Oberflächenstruktur und der größeren Formate wegen.

Ich bestellte mir also 30 x 40 Zentimeter große Drucke und verbrachte die Wartezeit damit, mir Gedanken darüber zu machen, welche Hornform ich meinem Satyr verpassen sollte, und wohin eigentlich meine Acrylfarben verschwunden waren.

Glücklicherweise hatte ich diese Probleme gelöst, als die Post mit meinen Drucken kam, und so konnte ich direkt anfangen – zunächst etwas planlos, indem ich mit grüner Acrylfarbe grobe Ideen skizzierte. Dieses Stadium der Kindergartenkrickelei kenne ich von früher noch zu Genüge. Egal, was ich jemals gemalt habe, am Anfang sah es immer aus, als wäre jemandem der Stift aus der Hand gefallen.

Foto mit grünen Farbflecken.

Dem Grün gesellten sich dann noch einige andere Farben hinzu, und so langsam wurde aus der ganzen Sache eine etwas klarer umrissene Idee. Ich arbeitete immer parallel an allen drei Bildern, um dadurch das Entstehen von größeren Farbunterschieden zu vermeiden.

Nach einer Weile fiel mir eher durch Zufall als geplant, ein Stück Kohle in die Hand, und da ich schon immer ein großer Fan von Kreiden und Kohlen und generell trockenen Zeichenmitteln zur Ergänzung der Malerei war, skizzierte ich wild drauf los und hatte mich schnell dazu entschieden, die Veteranen meiner übrig gebliebenen Pastellkreiden ebenfalls in den Bildern zu verewigen.

Nachdem ich die manuelle Bepinselung und Bekreidung für abgeschlossen befunden hatte, fotografierte ich die Bilder mit meiner DSLR ab, und setzte mich daran, den Endschliff an Kontrasten mit Lightroom zu verfeinern und außerdem das mittlere Bild in ein quadratisches Format zu setzen, weil ich fand, dass sich die Serie so als Tryptichon besser ansehen (und auch hängen) ließe.

Ein Mann als Satyr bemalt und eine Frau von erhöhter Perspektive aufgenommen.

Eine Frau mit tuch bekleidet streckt sich zu einem Satyr, der auf einer Erhöhung sitzt.

Wassernympfe und Satyr küssen sich.

Bewusst ließ ich an einigen Stellen unfertige Striche stehen, um so das Skizzenhafte zu bewahren, das Fabelhafte einer Begegnung aus dem Reich der Sagen und Legenden, eine Idee, ein flüchtiges Festhalten zu unterstreichen. Dem Satyr gab ich Ziegenbeine, Schwanz und Hörner.

Bei der Wassernymphe, der ich schon beim Shooting an sich zur behelfsmäßigen Illustration eines Baches ein langes Tuch umlegte, ergänzte ich auf dem zentralen Bild einen stilisierten Wasserlauf, der ihre Figur umschmeichelt und so ihre Herkunft kennzeichnet.

Mich hat allein die Möglichkeit sehr bereichert, dieses schon so lange geplante Vorhaben endlich – motiviert durch diesen Wettbewerb! – umsetzen zu können. Ich denke, ich werde künftig weitere Mischprojekte zwischen Fotografie und Malerei anstreben.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Die Gewinnerin unserer Wacom-Aktion

Posted in Equipment